Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 3 · p. Seite 174

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 3
Article
Ein Rechtsstreit um den Boden Palästinas im Altertum
Date
1933-01-01
Page
Seite 174 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2829991-2829995-2838274--51956-2838324
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

174 Hans Lewy ausging1 und von hellenisierten Juden2 pariert wurde. Wir wenden uns jetzt der Betrachtung analoger griechischer Rechtsideen und ihrer Verwendung im politischen Kampf zu. Wie die Bibel dem Juden so vermittelte den Griechen Homer und das Epos die Kenntnis der Urzeit ihres Volkes3. Selbst nachdem ihre Geschichtsschreibung eine Wissenschaft geworden war, blieb der homerische Bericht für sie die einzige und maßgebende Dar- Stellung der Vorgänge und Zustände der ältesten Epoche. Darüber hinaus wirkte der griechische Mythos als reale normgebende Macht im gegenwärtigen Leben der Nation, die sich als ,,Erbin und Rechtsnachfolgerin der Heroenzeit“ (Burckhardt) betrachtete. Wie stark dieses Bewußtsein der historischen und moralischen Kontinuität war, zeigt am sinnfälligsten Herodot, der den Konflikt zwischen Orientalen und Griechen bis zur Entführung der Io herauf verfolgt und in der Vernichtung der persischen Macht die späte Sühne für das in mythischer Zeit erlittene Unrecht sieht4. Darum besaß bei den Griechen jeder Rechtsnachweis, 1 Dabei muß man sich die Formulierung des phönicischen Angriffs ganz allgemein vors teilen. Sie brauchten den Vorwurf des Bodenraubs nur mit dem Hinweis auf die jüdische Bezeichnung Palästinas als ״Land Kanaans“ (s. 0. S. 89,2), die Josuaerzählung und die afrikanische Wandersage zu belegen. Es ist also nicht nötig, genauere Kenntnis des A. T. bei ihnen vorauszusetzen. Daß die antisemitischen Gegner die Bibel übrigens recht, genau studieren konnten, zeigen die detaillierten Angriffe der ägyptischen Antisemiten von Manethon bis Apion. Vgl. auch die Fragmente aus dem Pamphlet des Apollonius Molon gegen die Juden (bei Euseb. praep. ev. IX 19), die Erwähnung Salomos in der tyrischen Stadtchronik (bei Dion und Menander, s. Jos. c. Ap. I 112 f.) sowie das Urteil des Porphyrios über die phönicische Urgeschichte des Philon von Byhlos und ihre Nachrichten über die Königs zeit (bei Eus. pr. ev. 19). Über die Kenntnis der Bibel bei den hellenisierten Orientalen s. Heinemann a. a. O. Sp. 23. 2 Mit dieser Ansicht würde sich auch sehr gut vereinbaren, daß der Verfasser des Jubiläenbuches, aus dem das wichtigste Dokument zum Bodenstreit stammt — wie Gh. Albeck,. das Buch der Jubiläen und die - Halacha, 1930, nachgewiesen hat—, sektiererischen Kreisen angehörte. 3 Vgl. zum Folgenden den ersten Abschnitt aus Jacob Burckhardts Grieeh. Kulturgeschichte: die Griechen und ihr Mythus. 4 Vgl. K. A. Pagel, die Bedeutung des aiti©logischen Moments für Herodots Geschichtsschreibung, Berl. Dissert. 1927. Ebenso, geht nach der Bibel der Fluch über Kanaan erst zn Josuas Zeiten in Erfüllung, als ״das Schuldmaß des Amoriters voll geworden war“.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.