Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Neue Spuk- und Zauberliteratur [Rezension]
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
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Neue Spuk•■ und Zauberliteratur 163 verbreiteten Brillenbuchstaben religiöse Zusammenhänge mit der baby- Ionisch-assyrischen Kultur darstellen, die sieben Siegel aber, wenn auch aus Elementen der drei monotheistischen Religionen zusammengesetzt, auf die islamische Welt beschränkt geblieben seien. Er darf sich zum Schluß des redlich erzielten Erfolges rühmen, ahnen zu lassen, welche wichtige neue religions- und kulturgeschichtliche Erkenntnisse die Erforschung der noch vor kurzem so verachteten Zauberei zeitigen kann. Im einzelnen ist hierzu zu bemerken: Das Idol mit der Hellebarde ist nicht ein originaler Reflex im schreckhaften Gehirn des Zauberers, sondern das überlieferte Bild einer antiken Gottheit, die, dämonisiert, noch in später Zeit mit ursprünglichen Riten verehrt wird. H. Ritter, der in seinem Vortrage ,,Picatrix“1 als Hintergrund der mittelalterlichen Magie ein Weltbild nachweist, das die sympathetischen Reihen des Proclus mit den astrologischen der Araber verquickt, führt (S. 117) als Beispiel eine Juppiterbeschwörung an2. Juppiter, dem hier ein regelrechtes Opfer dargebracht wird, erscheint hier tatsächlich als Geist, der eine Lanze trägt, wie die unten erwähnten Engel Jopü<pop0c und l'aptcro- (p6po<z. Eine solche Beschwörung der Venus iii Form eines Opfer- 1 Bibliothek Warburg, Vorträge 1921/22. 2 Vgl. Steinschneider, Pseudepigraphische Literatur 35. — Durch Ritters Ausführungen werden auch bis in Einzelheiten die Beschwörungen verständlich, die ich aus einem hebräischen, zum Teil italienischen Ms übersetzt und JJV I 179 veröffentlicht habe, und von denen sich eine auch bei Daiches, Babylonian Oil Magic findet. Zu Ritters Bemerkung über die Wichtigkeit der Bezeichnung ,,ruhanijat“ für ,,Magietc sei daran erinnert, daß noch heut das Vulgärarabische in Ägypten die geistige Magie, ,,rukeh er-ruhäni“, von der göttlichen (r. er-rahmäni), der hohen (r. elilwi), der natürlichen (r. es-simija), der niederen (r. es־sufli) und der teuflischen (r. es-settani) unterscheidet (J. L. W. Winkler, Kurzgefaßte arabische Sprachlehre 192). Mit ,,nurani ruhanija“ W. 86 vgl. ,,ruhanijim“ bei Steinschneider, Pseudepigraphische Literatur 19. Das Trinken von Wasser, in dem ein Siegelabdruck aufgelöst wurde (111), auch in hebräischen Texten, s. unten. Ritter 110 f. hätte an I Sam 64 erinnert werden können. Die Engel in diesem Zusammenhänge stammen nach Ritter 101 aus dem Judentum. Doch dürfte persischer Einfluß zugrunde liegen. ,,Die Engel des Zornes“ sind aus der jüdischen Eschatologie bekannt. Für die Beschwörung des Saturns, als des ,,Herrn des Zeitalters der Juden“ (vgl. Saturday, Saderdag), war ,,jüdische“ Kleidung (schwarz) vorgeschrieben (Ritter 106). 11*