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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 2 · p. Seite 101

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 2
Article
Eine Kurtrierer "Jüdisch Ceremonial Verordnung" aus der Wende des 17. und 18. Jahrhunderts
Date
1933-01-01
Page
Seite 101 (sequence 2)
Language
German
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Eine Kurtrierer ,,Jüdisch Ceremonial Verordnung‘‘ 101 gemeinde des Mittelalters, daß sie die Ordnung der inneren Verhältnisse in die eigene Hand nimmt. Der Geist, aus dem die ,,Takkanot .Schum“ (Satzungen der Gemeinden Speyer, Worms, Mainz) geboren sind1, ist nicht erstorben. Wie in Spanien in den Gemeindestatuten von Arragonien aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts2 oder in den Statuten der Aljama von Tudela aus dem 14. Jahrhundert3, wie in Italien in den Takkanot von Bologna und Forli aus den Jahren 1416 und 14184, wie in Mähren in den regelmäßigen jüdischen Tagungen von 1653—17245, wie vielleicht am stärksten in Polen im Kahal, in der Vieiiändersynode und den zahlreichen Provinzialsynoden vom 16. bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts6 sich der Wille und die Kraft zeigen, sich selbst Gesetz und Ordnung auf Grund des jüdischen Religionsgesetzes und im Rahmen der von der Behörde den Juden gelassenen Freiheit zu geben, so auch in Deutschland in derselben Zeit. Wir können diese Tatsache — abgesehen von den durch Finkelstein geschilderten Syn oden — in den Tagen des Joselmann von Rosheim (14801544—־) beobachten. Derselbe hat im Jahre 1530 in Augsburg mit Abgesandten der deutschen Judenheit eine Ordnung und Satzung festgestellt, welche in 10 Artikeln besonders solchen Mißbrauchen in Handel und Wandel begegnen sollte, die durch die den Juden willkürlich zugewiesene Ausnahmestellung hervorgerufen waren und durch die vorhandenen Gesetzesbestimmungen nicht geahndet werden konnten7. Indem Josel in diesen Artikeln wirksarne Maßregeln gegen die finanzielle Ausbeutung der Christen durch die Juden traf, hoffte er, wie er dies am Schlüsse der jene enthaltenden Urkunde ausspricht, die Reichsstände von der Ver- Übung von Willkürakten gegen die Juden abzubringen. Solche 1 s. Finkelstein, Jewish Seif-Government in the middle ages (New York 1924), passim. 2 s. F. Baer, Die Juden im christlichen Spanien, 1. Teil, I (Berlin 1929), n. 143, S. 158—162. 3 ib. n. 586, S. 948—958, n. 601, S. 982—986; vgl. Statut der Aljama von Barcelona, ib. n. 189 usw. 4 S. J. ITalberstam in GraeU-Jubelschrift (1887) II S. 53—65; vgl. Dubnow, Weltgeschichte, V, S. 418. יז s. Dubnow, Weltgeschichte, VII, S. 342. 6 ib. Note 2, S. 516—519, Bibliographie §§ 13, 21. 7 s. L. Feilchenfeld, Rabbi. Josel von Rosheim (Straßburg 1898) S. 27 ff.

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