Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein Rechtsstreit um den Boden Palästinas im Altertum
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 15)
- Language
- German
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98 Hans Lewy Historiker bereits vor Prokop die Ableitung der phönicischen Afrikaner von den flüchtigen UrbeAvohiiern Palästinas fest. Sie werden diese Genealogie aus der rabbinischen Tradition übernommen haben1. Sie verwandten sie dann als Ursprungssage verschiedener phönicischer Kolonisationszentren oder bezogen sie ganz allgemein auf alle Afrikaner. Bei Joh. Ant. und Prokop taucht dann die Josua-Inschrift auf, das historische ,,Wahrheitszeugnis“ für die Abstammung der Eingeborenen von den mythisehen Kanaanäern. Woher Johannes, der die Inschrift ganz allgemein in Afrika lokalisiert, seine Kenntnisse bezieht, ist nicht mehr festzustellen. Jedenfalls ist auch die Inschrift bereits vor Prokop durch christliche Geschichtsschreiber bekannt geworden. Damit ergibt sich für den Bericht Prokops folgende Erklärungsmöglichkeit: Die christliche Legende vom kanaanäischen Ursprung der afrikanischen Phönicier wanderte mit der christlichen Mission nach Afrika. Afrikanische Christen, die — wie Augustin — den Kanaanäernamen bei der einheimischen phönicischen Bevölkerung wiederfanden2, mögen die phönicischen Zeichen auf einer uralten Säule neben der Quelle des numidischen Kastells Tigisis als Inschrift der kanaanäischen Einwohner gedeutet3 und dem archäo- 1 So hat auch die rabbinische Tradition von der Auswanderung der kanaanäischen Gergesäeiv (siehe unten) in der christlichen Ethnographie Aufnahme gefunden. S. Hieronymus Onom. Sacra ed. Lagarde YI 24 S. 33: Gergesaeus colonum ciciens, zit. bei Krauß, Monum. Talm. a. a. O. In den Erklärungen der biblischen Völkertafel im Talmud, Midrasch und Targum, die S. Krauß in der M011. f. Gesch. u. Wiss. d. Jud. 39 (1895) S. 1 f. behandelt, werden die Afrikaner stets von Gomer (Gen 102) abgeleitet. Es finden sich also, wie Krauss S. 5 richtig bemerkt, in der rabbinischen Literatur zwei verschiedene, von einander unabhängige Traditionen über Afrika. Chron. Pasch. I 46 leitet die Mauren von Elisa, dem Sohne Japhets (s. Gen 102), ab• 2 Meitzer a. a. O. I 59 nimmt an, daß die Legende von einheimischen Juden stamme (s. Prokop de aedificiis VI 2,22 über die Juden in Mauretanien ), von denen sie Prokop erfahren hätte. Die angeführten Parallelen beweisen aber, daß Prokop einer christlichen Tradition folgte. 3 Eine-ähnliche mythische Sehenswürdigkeit in dieser Gegend war das Grabmal des von Herakles getöteten Riesen Antaios bei Tanger, das den Römern von den Eingeborenen gezeigt und von Sertorius ausgegraben wurde. (S. Strabon XVII 829 C., Pomponius Mela III 10, 3, Plut. Sert. 9.)