Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein Rechtsstreit um den Boden Palästinas im Altertum
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 6)
- Language
- German
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Ein Rechtsstreit um den Boden Palästinas im Altertum 89 ,,Als die Afrikaner1 vor Alexander den Makedonen traten, um mit Israel zu rechten, sprachen sie: Das Land Kanaan gehört uns; denn es steht geschrieben: Das ist das Land, das Euch als Erbe zufällt, das Land Kanaans2 nach seinen Grenzen (Num 342), und Kanaan ist unser Vater/4 Darauf tritt Gewiha ben Pesisa als Verteidiger der jüdischen Sache auf und erklärt, die Afrikaner durch ebenfalls der Torah entnommene Gegenargumente widerlegen zu können. ,,Denn es steht geschrieben: Es sprach Noah: ,Verflucht sei Kanaan, ein Knecht der Knechte sei er seinen Brüdern4 (Geil 925). Wenn ein Sklave sich Güter erworben hat, wem gehört dann der Sklave und wem die: Güter? Und überdies habt ihr uns unzählige Jahre nicht gedient44, worauf die Gegner keine Antwort finden. Wenn man die legendären und novellistischen Motive ausscheidet, d. h. die Verbindung Alexanders des Großen —in Talmud und Midrasch des Weltherrschers zolt i$oyfjv3 — mit den Afrikaiiern sowie die Rahmenerzählung von Gewiha ben Pesisa4, so bleibt als Kern der Erzählung ein Rechtsstreit zwischen Afrikanern und Juden um den historischen Anspruch auf den Boden Palästinas. Die Nennung der Afrikaner setzt die Kenntnis der von Prokop wiedergegebenen Wander- und Gründungssage voraus; in einer Variante dieses talmudischen Berichtes5 treten sogar an die Stelle der Afrikaner die Kanaanäer selber. Kanaanäer resp. Afrikaner berufen sich im Rechtsstreit auf die geographische Bezeichnung des Landes, während die Juden ihren Anspruch von der Verfluchung Kanaans herleiten, d. h. es stehen sich die profangeschichtliehe und die ethisch-religiöse Beurteilung gegenüber. 1 Barajtha Sanh. b. 91a ( Meg. Taan. cap. 3), ganz ähnlich Midr. Gen. R,. 61, ל (zu Gen 256). Die Stelle ist bei S. Krauß, Monumenta Tab mudica Bd V (Geschichte) I 1 S. 29 übersetzt und erklärt. 2 So ist im Sinn der ,,Afrikaner“ zu übersetzen. כנען ist auch nach biblischem Sprachgebrauch eher ethnographischer als geographischer Begriff; 3 S. Die Sammlung der rabbinischen Alexanderlegenden bei Krauß, Monum. Talmud, a. a. O. 4 Von einem vor Ptolemaios VI Philometor ausgetragenen Religionsstreit zwischen jüdischen und samaritanischen Alexandrinern über den Vorrang der Kultstätten in Jerusalem und auf .:dem Garizim berichtet Jos. Ant. XIII 74 L (vgl. XII 10). Midrasch Gen. R. 61, 7.