Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein Rechtsstreit um den Boden Palästinas im Altertum
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 5)
- Language
- German
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88 Hans Lewy autochthonen Völker Palästinas und die Besitznahme ihres Landes wird somit als ein unrechtmäßiger Gewaltakt verurteilt. Diese Auffassung steht zu der biblischen Begründung der israelitischen Okkupation Palästinas in scharfem Gegensatz* nach der das Land den unter der Führung Josuas stehenden Israeliten preisgegeben wird, als ,,das Schuldmaß des Amoriters“ — so werden die Kanaanäer im A. TV oft genannt — ,/voll geworden war/' Unabhängig davon versucht die Erzählung voll der Verfluchung Kanaans durch seinen Vater Noah (Gen 925) offensichtlich die spätere Unterwerfung Kanaans unter Israel, den Nachkommen Sems, als Erfüllung eines uralten Fluchs zu erklären1. Die Bibel verzichtet also auf jede profanrechtliche Begründung des Landanspruchs und hält die ethisch-religiöse Motivierung für ausreichend2. Diese Vorbemerkungen erscheinen ausreichend, um eine seltsame, sowohl im Talmud wie im Midrasch erhaltene Erzählung zu verstehen3 * * * * 8; 1 Das haben schon Philon (qüäest. in Genesim II 65) und Josephus (ant. I 142) bemerkt. 2 So wird in der gleich darauffolgenden Völkertafel auch ausdrücklich vermerkt, daß die Söhne Kanaans, die Ahnherren der späteren kanaanäischen Stämme, sich im Lande von Sidoh bis Gaza, d. h. in Palästina, ansiedelten, und vom Josuabuch bis zu den Propheten immer Wieder eingeschärft, daß Israel ein reich bewohntes und kultiviertes Land von Gott zuin Geschenk erhalten habe. 8 Als erster hat Movers, Die Phönizier II 2, 427 f. die Prokopstelle mit einigen der unten zitierten Talmud- und Midraschstellen zusammengestellt. Dann hat Bacher, The supposed inscription upon Joshua the robber, illustrated fröm Jewish soufees (Jew. Quart. Rev. III 354/57) weitere rabbinische Parallelen (nicht das Jubiläenbuch) hinzugefügt und diese Zeugnisse richtig als ״ancient memorial of anti-Jewish feeling that strove to falsify history“ charakterisiert, ohne allerdings näher auf ihren Ursprung, Inhalt und ihre Tendenz einzugehen. S. a. ders. Agada’der paläst. Amoräer (1892) I 517. Nach Bacher L; Ginzberg, The Legends of the Jews (Phiiadelphia 1928) VI S. 177 Anm. 34. Schließlich hat Aptowitzef (Los premiers possesseurs de Ganaän, Legendes apolögötiqües et exög&fciques, Rev. et. juiv. 1926, 274 f.) auf den apologetischen Charakter der Unten (s, u. S. 90) angeführten Stelle aus dem Jubiläen buch und der ,,Weisheit Salomos44 aufmerksam gemacht und diese, ohne Prokop und Bachers Ausführungen zu kennen, kurz mit Saiih. b. 91a verglichen. - Für einige Hinweise und Korrektureii bin ich den Herren Prof. I. Heine mann, Prof. Jüb Gnttüiänn und Dr. Ch. Albeck zu Dank verpflichtet.