Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Ansichten über "Toldoth Jeschu"
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 599 (sequence 14)
- Language
- German
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Neuere Ansichten über ״Toldoth Jeschu“ 599 mit dem T. J. tun. Da waren schon die alten Hetzapostel konsequenter darin, indem sie auch den Talmud wegen angeblicher Lästerung und Unsiims verdammten. Der Unterschied besteht nur darin, daß im Talmud (und Midrasch) die den Christen mißliebigen Dinge gelegentlich und zerstreut vorgebracht werden, wählend T. J. eine systematische ,,Schmähschrift'‘ ist. Es ist wahr, was H. sagt (S. 35): ״Talmud und Midrasch kennen gar nicht den Namen des Judas Ischariotes noch seine Rolleaber was folgt daraus? Doch nur, daß T. J. das ganze ntl. Tatsachenmaterial in seiner Weise zu kopieren sucht, während es der Talmud nicht tut, da es seinen Zwecken fern lag. So findet H. auch den Petrus im Talmud nicht1, obzwar doch dieser für das bereits bestehende Christentum gewiß mehr Bedeutung hatte als Judas, von Paulus2 gar nicht zu reden. Wenn ich also nur diese drei Punkte nehme: das jüdische Volk in seiner Gesamtheit von der ersten Stunde an des ״Verrats“ bezichtigt, die von Matth, bezeugte jüdische Auffassung der Vorgänge bei der Grablegung, des Celsus jüdische Traditionen — so muß ich doch sagen, daß es etwas wie eine ״geschichtliche Überlieferung“ (H.s Worte) in allen drei Lagern wohl gab, eingeschlossen die Sache mit Judas Ischariot, die man doch nicht mutwillig ausscheiden kann. In einem Zeitalter, wo man soviel neue Funde macht, sollte man überhaupt nicht schreiben, daß etwas erst nach Jahrhunderten auf taucht (Heller S. 35) und darum von der Wurzel losgerissen ist. Bis vor einigen Jahren kannte man nur die schlecht und recht zusammengeschweißten T. J.-Versionen; heute kennt man ein halbes Dutzend aramäischer Texte, die mit allen Merkmalen des Alters und der literarischen Fähigkeit ausgestattet sind3. Auch das gibt zu denken, daß gut unterrichtete, recht gebildete und gewissenhafte jüdische Autoren ungefähr denselben Stoff tradieren, ohne sich auf das T. J. zu berufen4. Es läßt 1 Der Name Petrus kommt vor (s. Lehnwörter II 443 und B ache r, Ag. der pal. Amoräer III 598), aber nicht der des Apostels. 2 In dem Stück aus Jerachmeel (Leben J. 239) ist der Name wohl absichtlich entstellt: שעול der da auch heißt פעול. 3 Eine Übersicht gibt Gin zberg 1. c. 4 Zu dem Vielen in Einleitung zu Leben J. führe ich noch an מר מר ישו