Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Ansichten über "Toldoth Jeschu"
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 598 (sequence 13)
- Language
- German
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598 Samuel Krauß gemacht, daß ein jüdischer Autor den Judas verherrlicht auf Kosten Jesu? Hat es demnach einen Sinn, puncto Verrat den Judas als den Typus des jüdischen Volkes hinzustellen? Im T. J. ist es bekanntlich Judas, der mit der Leiche bzw. dem Grabe Jesu jene Manipulationen vornimmt, die es unmöglich machen sollten, an eine leibliche Auferstehung Jesu zu glauben. Was im und beim Grabe geschehen — darin weichen Juden und Christen von der ersten Minute an von einander ab, was Matth 2815 mit den Worten ausdrückt: ,,Solches ist eine gemeine Rede ge־־ worden bei den Juden, bis auf den heutigen Tag“. Braucht Heller noch einen stärkeren Beweis dafür, daß die Juden über gewisse Vorgänge ihre eigene Meinung hatten, und zwar von der ersten Minute an? Eisenmenger hat erkannt, daß das die Meinung ist, die im T o 1 d o t h niedergelegt ist; Heller traut soviel ,,lebende Überlieferung“ dem T. J. nicht zu. Die Sache selbst wird im Ev. Nicodemi viel deutlicher ausgesprochen; das ,,bis auf den heutigen Tag“ wird in einer andern Quelle noch mehr betont: wieder ein anderer griechischer Text nennt es bereits eine falsche Behauptung der Juden, aber die Behauptung war da, es kennen sie Justin, Eusebius und andere; in Pseudo-Clemens׳ Recogn. I c. 42 wird sie als Meinung ,,Änderet“ vorgetragen, also wohl der Heiden, mit denen die Juden in diesem Punkte zusammengingen, und so noch in einer Reihe anderer Quellen (alles in meinem Buche S. 169). Hat der Toldoth-Schreiber das erst aus Matthäus oder Eusebius geholt? Oder sprach sich die Sache herum, bis sie im Toldoth eine Fixierung erhalten hat? Ich denke, daß doch das Letztere geschehen ist. Von wem hat übrigens der heidnische Philosoph Celsus seine־ Nachrichten genommen? Sagt er nicht mehrmals, die Juden hätten ihm das oder jenes gesagt? Sein Jude behauptet gar, er könnte mehr sagen, wenn er dazu Lust hätte. Auch den famosen römischen Soldaten Pantheras, der im Talmud und im T. J. im Namen ,,Jeschu bar Pandera“ wiederkehrt, will er von seinem Juden gehört haben (Leben J. 187). Überhaupt herrscht zwischen Juden, Häretikern und Heiden eine große Übereilt- Stimmung, und anderen Teils sind die im T. J. überlieferten Dinge im Wesen nicht anders als die im Talmud überlieferten, und wenn PI e 1 i e r den Talmud bestehen läßt, - so muß er es auch