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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 6 · p. Seite 597

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 6
Article
Neuere Ansichten über "Toldoth Jeschu"
Date
1932-01-01
Page
Seite 597 (sequence 12)
Language
German
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Neuere Au sich ton über ״Toldofch Jeschu“ 597 bloßen Type noch leichter1. Aber für die Juden der alten Zeit, inbegriffen natürlich auch die T. J.-Schreiber, waren Jesus und Judas eine furchtbare Realität, und sie sind es heute noch. Wenn nun gar die These auf kommt, Judas der Verräter sei hingestellt als Typus des ganzen jüdischen Volkes, so ist das auch für uns noch eine Herausforderung zum Kampfe. In meinem Artikel ,,Judas Iscariot" (Jewish Review)2 Vol. IV, No. 21, Sept. 1913) suchte ich diese These zu bekämpfen mit Mitteln der Logik, der geschichtlichen Überlieferung, des Charakters der ntl. Schriften und ganz besonders, des Charakters cles jüdischen Volkes. Auch hier also wollen wir nur rechnen mit dem lebendigen, leibhaftigen Judas, im NT dem Verräter Jesu, i. T. J. dem Widersacher Jesu, der dem Volke Israel den größten Dienst erweist3. Wie selbst im T. J. ein moderner, ja kritischer Geist herrschen kann, habe ich (Leben Jesu 266 f.) an zwei Zügen gezeigt. Im Toldoth Ms. L. findet sich bezüglich den ,,Verräter" folgende Erwägung: ,,Dieser Mann zweifelte an der Religion des Nazaräers Jesu; er war wankelmütig, ob ja oder nein (im Hebr. ist das eine besondere Phrase), so bewahrte er ein Schweigen, um zu erfahren, '׳wie die Sache enden werde". Und etwas weiter unten: ,,Der Mann (Juda) Gajsa war sehr begierig, ihn ihnen anzugeben, damit er das Ende erfahre".. Ist das nicht echt theologisch gedacht? Auch ich schrieb (ib.): ,,Christlichen Theologen fiele es leicht, das Alter dieser Anschauung anzugeben" — erhielt aber bis heute keinen Aufschluß (und doch hat H. L. St ra c k seinerzeit an meinem Werke mitgearbeitet!). Ferner zitiere ich (ib. 269) ein polemisches Wort des Schemtob ben Schaprut: ,,Wenn Jesus sich freiwillig dem Opfertode überließ, warum sagte er, daß ihn Judas Ischariotes verraten habe"? Ist es dadurch nicht begreiflich 1 Innerhalb der jüdischen Literatur ist mir Folgendes bekannt. In dem täglich erscheinenden Blatte Les Droits de l’Homme vom 23. April 1911 schrieb der mir persönlich bekannte Louis Germain L e v y, daß Judas de! Verräter niemals existiert habe. Die Gründe dieser Annahme sind allgemein bekannt. In der Allgem. Ztg d. Judentums 1911, 300, wo das registriert wird, schrieb L. G. beim ersten Eindruck, daß es sich bei dieser .Ausführung um einen Aprilscherz handle; doch erkannte er bald, daß sie ernst gemeint sei. 2 Nicht zu verwechseln mit Jewish Qnarterly Review. 3 רווחה ושמחה בישראל T. J. ms Straßburg (Leben J. 46).

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