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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 6 · p. Seite 596

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 6
Article
Neuere Ansichten über "Toldoth Jeschu"
Date
1932-01-01
Page
Seite 596 (sequence 11)
Language
German
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596 Samuel Erauß b i ü s, H. E. III 39, 8 (angeführt, von Hennecke S. 129) hat Papias einiges Wunderbare berichtet als angeblich aus Überlieferung auf ihn gekommen1, und wir haben gesehen, daß seine ,,Überlieferungen" bei Judas Ischariot durchaus nicht stehenbleiben. Es wäre auch nicht einzusehen, daß der Strom der Überlieferung, oder sagen wir: der Legende, just bei der Figur des Judas versiegt wäre, wo doch außer Jesus selbst keine einzige Figur die Phantasie der Gläubigen hat so beschäftigen müssen, wie die des Judas. R. schreibt weiter (S. 41): ,,Nachdem die Juden Jahrhundertelang zu hören bekamen: Ihr habet Christum gekreuzigt, wurde ihnen nun eine Anklage entgegengeschleudert: Der Jude ist der Judas, der Verräter des Heilands".. Als ob man mit diesem Kampfesruf über tausend Jahre gewaltet hätte! Ich kann es nicht datumsweise und auch nicht literarisch belegen, wann und wieso, diese ״neue" Anschuldigung aufkam, weil ich auf das hin keine besonderen Studien angestellt habe, aber die Logik sagt es mir, daß sie nicht lange hat auf sich warten lassen, insbesondere, da doch das bloße Wort,, Judas'' hat darauf führen müssen. H. möchte es festgestellt wissen, wann Judas in der Kirche als Vertreter des Judentums zu gelten begann. He ine mann ib. verzeichnet dabei eine freundliche Mitteilung des Herrn Prof. Preisker-Breslau.. Damit ist mir ein großer Dienst geschehen, denn damit sehen wir, daß etwas, was Heller in der Stimmung der Kreuzzüge sucht, schon von Anfang an, sozusagen in der Geburtsstunde des Christenturns eingesetzt hat. Die aufgeworfene Frage hat bereits eine Lösung gefunden durch W. B. Smith (The Hibbert Journal, Vol. IX, No. 3), der allerdings de suo die These aufstellt, Judas habe überhaupt kein Dasein gehabt, sondern sei zu betrachten ״as a representative type of the whole nation of the Jews". Immer dieselbe Geschichte! Wurde doch auch Jesus zur bloßen Mythe verflüchtigt. Hinsichtlich Judas' geht die Schematisierung zur 1 Darunter auch das Wunder, daß Justus mit dem Beinamen Barsabas (s. Apg 123) tödliches Gift getrunken, ohne davon Schaden zu nehmen. Vgl. Mc 1618). Wie solche ,,Wunder“ weiter wirken, will ich an einem Beispiel dartun. In Stephan Gerlachs des Älteren Tagebuch (Frankfurt a. M. 1674) Folio 57a wird berichtet, der jetzige Patriarch von Antiochien, ,,so noch lebet“, habe aus frommem Eifer einem Juden gegenüber auf einen Gifttrunk gedrungen; ״cler Jude ist sobald davon in zwei geborsten“, der Patriarch aber lebendig geblieben.

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