Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Ansichten über "Toldoth Jeschu"
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 595 (sequence 10)
- Language
- German
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595 Neuere Ansichten über ״Toldoth tTeschu“ gearbeitet wurde, indem man auf die verächtliche Materie des Kreuzes hinwies — wie bei Haman. Aber noch ein Gedanke drängt sich mir auf: Moses im gerechten Zorn gegen die Rotte Korachs wünscht ihnen einen Untergang, der noch nicht dagewesen: Etwas Neues erschafft der Herr usw. (Num 1630); analog heißt es: Denn der Herr erschafft etwas Neues auf der Erde usw. (Jer 3122)> worauf RSbM z. St. richtig verweist (s. auch Luzzatto). So sollte auch Jesu Kreuzestod besonders schimpflich sein, ein Kohlstengel war es, der seinen Leichnam aufnahm — etwas, was noch nie dagewesen. . . 2. Judas Ischariot. Heller faßt ganz besonders diese Figur ins Auge, weil der oben genannte Artikel von P. Lehmann ihn auf eine von mir abweichende Erkenntnis gebracht hatte. Nach ihm ,,entfaltet sich die über Evangelium und Apostelgeschichte weit hinausgehende Judas-Legende erst seit dem 11. und 12. Jahrhundert“; die Weiterentwicklung dieser Legende sei nur ,,aus der Stimmung der Zeit . . . zu verstehen“. Vorgreifend möchte ich behaupten, daß die ,,Stimmung“ stets da war, denn seit dem Entstehen des Christentums bis auf den heutigen Tag hat es zwischen den beiden Bekenntnissen eine Aussprache, zuweilen auch die heftigste Fehde gegeben. Aber wir wollen den Fall Judas Ischariot näher untersuchen. Hat P. Lehmann überhaupt recht mit der Behauptung, daß es eine kirchliche Überlieferung betreffs Judas' nicht gab? Die Grundlage auch der Untersuchung Lehmanns1 ist die ,,Legenda Aurea“ des Jacobus de Voiagine, cler dasjenige in der Judas-Legende, das weit über Evangelium und Apostelgeschichte hinausgeht, aus einem Apokryphon haben will (Hucusque in predicta historia apocrypha legitur). Wenn man bedenkt, wie die apokryphische Literatur fast unübersehbar wuchert (der Ausdruck dürfte nicht zu hart sein), wird man nicht abgeneigt sein, der ,,Legenda Aurea“ aufs Wort zu glauben und Judas-Geschichten als stetig wachsendes Gut der Kirche anzunehmen. Und wo bleibt ,,die gräßliche Schilderung der Sühne Judas' bei Papias“, die Heller selbst anführt (S. 37 Anna. 2 nach Hennecke, Neutestamentliche Apokryphen, 2. Auf!., 1924, S. 130). Nach E us e - 1 Im Wesen auch schon bei mir zu lesen (Leben J. 215 ff.). 38*