Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Ansichten über "Toldoth Jeschu"
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 593 (sequence 8)
- Language
- German
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Neuere Ansichten über ,,Toldoth Jeschu“ 593 an den Kohlstengel jedoch vergessen habe.. Diese Ähnlichkeit ■; wurde schon längst bemerkt, und wenn man will, kann man: sie füglich ein folkloristisch.es Motiv nennen. Man muß aber in der Aggada unterscheiden; während es in Esther Rabba z. St. (Folio 14a ed. Romm-Wilna; vgl. auch Jalqut § 1059) heißt, Gott habe der Reihe nach alle edlen Bäume aufgefordert, darunter auch die Zeder (ארן), den Galgen für Ha man abzugeben und diese Bäume um die Ehre wetteiferten, indem ein jeder einen besonderen Vorzug für sich in Anspruch nahm, heißt es im Targum Scheni, daß die edlen Bäume, gerade ihres Vorzuges wegen, es a b 1 e 11 n t e n, für Haman als Galgen za dienen1, bis endlich die Zeder sprach2, hänget den Haman und seine 10 Söhne auf den Galgen, den er sich bereitet hatte, und man hängte den Haman auf das ,,Holz“ (קייסא), das er dem Mordechai bereitet hatte. Es geht da nicht genau hervor, aus welchem Holz nun dieser Galgen beschaffen war. Aber in Midrasch Rabba und Jalqut ist der Schluß der Debatte der, daß das Dorn (3(קרץ sich meldet und gerade darum, weil es nur Dorn ist und nichts hat, worauf es sich berufen könnte, den Galgen des Haman abgibt, der nichts als ,,stechendes Dorn“ gewesen sei. Also entfällt auch dieser Beweis Ginzbergs. Im Targum a. a. O. ist die Verbindung zwischen Hamans- und Jesus-Holz direkt hergestellt durch die Worte: Haman sprach den Mordechai an, er solle doch ihn, den großen Mann, nicht an den Galgen bringen, sondern er solle ihm mittels Schwert den Kopf nehmen; Mordechai aber hörte nicht auf ihn, worauf Haman inmitten des Residenzgartens zu weinen und zu klagen' anfing; Gott aber sprach: ,,Höret auf mich, ihr Bäume und all die Gewächse, die ich vom Tage der Schöpfung an gepflanzt hatte, denn: 1 Die einzelnen Sätze in Trg Scheni sind wahrscheinlich als Fragen- und Antwortspiel gemeint; z. B. אדרא spricht: Auf meiner Höhe soll er gehängt werden? לא יכילבא ich kann es nicht zugeben, daß er auf meiner Höhe gehängt werde. 2 Die Worte ישמעו מיני ,,höret von mir (?), spricht die Zeder“ kann ich nicht gut deuten. Ich bediene mich der Ausgabe Lagarae S. 264. 3 Am Ende ist קיסא im Trg Sch. nichts anderes als dieses קוץ. — Von Dorn wird in den Disputen zwischen Juden und Christen noch in anderer Weise gesprochen; s. bei Berliner, Pletath Sopherim, S. 29. Dagegen vgl. Frz. Kampe r s, Mittelalterliche Sagen vom Paradiese und vom Holze des Kreuzes Christi . . . (Schriften der Görres-Ges. 1897, I). Monatsschrift, 76. Jahrgang 3S