Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Ansichten über "Toldoth Jeschu"
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 592 (sequence 7)
- Language
- German
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592 Samuel Krauß verfehlt sein? Ist nicht gerade der Mangel einer jeglichen Erklärung der beste Beweis, daß für den Verfasser wenigstens dieses Ding so geläufig war, daß er es ohne Bemerkung hinstellen konnte? Nun haben wir es außerdem mit einem Fragment zu tun —־ ist es nicht möglich, daß der Verfasser, in dem verlorenen Stück, uns bereits auf den ׳Kohlstengel vorbereitet hat? Und mißlich ist es, etwa ein Dutzend Texte, die alle den Kohlstengel haben, darunter auch Ginzbergs Geniza-Text Nr. II, wegen eines Textes (Geniza-Text Nr. I) zu emendieren. Das umgekehrte Verfahren dürfte sich empfehlen: Das einmalige בדוש ist zu ändern in das wohlbekannte כרוב, denn es gibt eigentlich nur einen Buchstaben zu ändern: ש in ב, denn das ב am Wortbeginn fällt ja graphisch ohnedies mit כ zusammen. Nach diesen meinen methodischen Bedenken möchte ich G. fragen: kann er es belegen, daß der Stamm eines starken Baumes, wie es sein ברוש ist, aram. oder syr. בנא heißt? In unseren talmudischen und targumischen Wörterbüchern finde ich keinen Beleg für diese Verwendung des Wortes, und auch als ״Stengel“ kommt כנא, soviel ich sehe, in unserer Literatur nicht vor1, aber im Syrischen scheint es gebraucht worden zu sein (s. P. Smith, Thesaurus 1761 כנא y'aukoi Geop. 97, 4, auch bei Brockelm a n n, Lex. Syr. 2. Aufl. 333 zitiert, bei beiden auch noch anderes, aber ,,truncus arboris“ bei beiden für אמיד Jes 176 kann wegen der Bedeutung des hebräischen Wortes nicht stimmen), und somit muß ich das Wort ככא im aram. Text des T. J. als etwas ansehen, das ein spezielles Sprachkolorit dieses Textes darstellt, wovon weiter unten noch zu sprechen sein wird. Nun glaubt aber G., seine Theorie, daß Jesus auf einer Zeder gehängt worden sein muß, auch noch aggadisch begründen zu können. Er sagt, H a m a n sei ebenfalls auf einer Zeder gehängt worden, und führt an: Midrasch Panirn Acherim z. St. und Targum Scheni c. 7 Ende. In der Tat haben wir in der Aggada, wie Haman mit einer Reihe von Baumsorten, die einst sein Galgen sein sollten, unterhandelt, eine entschiedene Parallele mit der Angabe des T. J., daß Jesus alle Bäume beschworen habe, ihn nicht aufzunehmen, 1 Einiges über כרעא ,,Stengel“ s. in meinen Bemerkungen zum Aruch in Ha־Goren X 134 f. Jetzt verweise ich auch auf ßchlagwort בחש Nr. 1 im Aruch ed. Kohut V 330a.