Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Ansichten über "Toldoth Jeschu"
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 591 (sequence 6)
- Language
- German
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Neuere Ansichten über ,,Toldoth Jeschu“ 591 man will auch der dogmatische Standpunkt, und dann erst der Hinweis auf analoge Erscheinungen in anderen Literaturen, Was nützt uns z. B., wenn wir den Kohlstengel auch folkloristisch nach weisen, ohne zu betonen, daß für das T. J. sicherlich die Hauptsache war, zu erzählen, daß Jesus, trotz seiner. Vorsorge, alle Bäume zu beschwören, doch gehängt wurde, und zwar an einem sonst unscheinbaren Ding, am Kohlstengel? Dieser Prag־* matismus ist ganz originell1 und hat kein Vorbild weder im N. T, und seinen Apokryphen noch im Talmud und seinen Nebenzweigen. Es ist auch noch nicht gelungen, dieses T. J.-Motiv plausibel zu erklären. Ich selbst habe (s. Leben J. 226) an einen ,,Kalauer“ gedacht, W. Schwartz tut dasselbe, und neuerdings auch L. Ginz b erg2. G. meint, der Kohlstengel sei eine spätere Sage, die wie folgt entstanden sei: Der von ihm veröffentlichte Geniza-Text Nr. I 2a Z. 7 (Ginze Schechter I 332) hat ,,undsie hängten ihn“,על כנא דברושא, also auf eine Art Zeder, und das sei das Richtige, während der Kohlstengel der ,,neueren“ T. J. ein Schreibfehler sei, entstanden aus בראש =־) ברוש), denn leicht entstehe כרוב aus 3ברוש. G. fügt noch hinzu: Einen Beweis habe ich dafür, denn in Fragment Nr. II ib. Z. 4 (S. 337) steht על כנא דכרובא ohne jede Erklärung4, so ist also ,,notgedrungen“ כרובא ein Schreibfehler für בדושא. Man muß nur diesen letzteren Satz ausgesprochen haben, um zu sehen, wie unbegründet er ist. Weil eine Sache nicht erklärt wird, soll sie 1 Doch vorgebildet an der Geschichte Hamans, wie schon bemerkt worden. 2 Ginze Schechter I (New York 1928), S. 324—338. 3 Ich habe Gelegenheit gehabt, Ginzbergs Ansicht mit I. Löw zu besprechen; er lehnt dieselbe gleich mir ab. 4 Der Kolilstengel bleibt zunächst ohne Erklärung auch im j.-d. Leben J. ed. Bischoff, S. 40, und dieser Text ist bereits deutsch! In dem von mir heraüsgegebenen ms Wien (Leben J. 80) steht־ nicht einmal ״Stengel“, sondern nur כרוב. In ms Adler aus Jemen (ib. 120) steht עץ של כרוב, was nur bedeuten kann ,,Galgen“ von der Kohlpflanze, und darauf hängten sie ihn; natürlich ganz wieder ohne Erklärung. Nun kann aber Gin zber-g meinen, die Sache sei nicht erklärt worden, d. h. warum nicht anderes Holz genommen wurde; dann ist aber nicht zu verstehen, warum er Text Nr. II heranzieht; im Text Nr.!ist es ja genauso! In Wirklichkeit brauchen diese T. J.-Schreiber das, was sie meinen, gar nicht zu erklären, denn die Sache stand schon seit Tertullians Zeiten fest, wie G. selbst anerkennt.