Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 6 · p. Seite 590

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 6
Article
Neuere Ansichten über "Toldoth Jeschu"
Date
1932-01-01
Page
Seite 590 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829983-2829990-2838007--51656-2838088
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

590 Samuel Krauß Tat den einen Punkt vom Kohlstengel, den und nicht mehl! Aber auch dieser Punkt fällt nicht so aus, wie es Heller haben will; er fällt nämlich zu Gunsten des T. J. aus. Leyen (S. 25) polemisiert nämlich gegen Eisenmenger, daß kein Krautstengel so groß; aber es gibt Märchen, in denen die Krautstengel sogar in den Himmel wachsen, so daß man auf ihnen bis in den Himmel klettern kann. Folglich ist dieser Punkt verschieden vom Märchentypus, und indem sich das T. J. so maßvoll hält und an einem im Talmud berichteten Faktum eine Stütze hat, so gehört.seine Angabe nicht ins Märchenland, sondern in die Legende, die eine Polemik verfolgt. Doch, was Heller verschweigt, ist Folgendes: Leyen. a. ä. O. bringt in einer Anmerkung bei :W. Schwärt z, Indogermanischer Volksglaube, S. 267: ,,es handle sich im T. J. nicht um Vergessen einer Staude1, sondern um eine Wortspielerei in echt rabbinischem Geiste“. Also wieder kein Folklore. Ferner: ,,So2 3 auffallend diese Ähnlichkeiten scheinen — ihnen stehen doch beträchtliche Unterschiede gegenüber — und sie bestehen nicht eigentlich für sich, sie ergeben sich nur aus der Situation, das aber wie von selbst. — Ein• Zusammenhang zwischen der jüdischen Schmähschrift und dem nordischen Göttermärchen braucht aus ihnen nicht gefolgert zu werden“. Das ist es: die Situation bringt sowohl solche Ähnlichkeiten als Unterschiede zustande. Ich selbst habe in meinem ,,Leben Jesu“, wie H. richtig hervorhebt, auch ein Kapitel ,,Folldoristische Motive“ (S. 211 ff.), hatte aber vorher das Verhältnis des T. J. zu den Evangelien, zur Apostelgeschichte, zu den neutestamentlichen Apokryphen״, zum Talmud und Midrasch und zum Koran abgehandelt, und ich glaube, das ist der richtige Weg; erst kommt nämlich die Polemik, wenn 1 So bezeichnet dieser Autor den Kohlstengel. * Hier spricht bereits Leyen., 3 Yor mir liegen zwei Artikel von Pfarrer L. Couard, Jüdische Sagen über das Leben J. (Neue Kirchliche Zs ehr. XII, 1901, 164—176) und Altchristliche Sagen über das Leben J. (ib. 234—259); diese Methode ist richtig: Sagen gegen Sagen; die christlichen Sagen mit ihren Extravaganzen kommen bei Couard nicht besser fort als die jüdischen. .Vgl. noch Hof mann, Das Leben J. nach den Apokryphen, Leipzig 1851 (von Thilo abhängig, dessen Werk in meinem Leben J. fleißig genug benutzt .wurde).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.