Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neuere Ansichten über "Toldoth Jeschu"
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 589 (sequence 4)
- Language
- German
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Neuere Ansieilten über ״Toldoth Jeschu“ 589 diesem Ausmaße notwendig ein folkloristisches Motiv sei oder nicht. Es ist aber bekannt, daß gerade in diesem Punkte das T. J. gerechtfertigt ist durch eine Nachricht im Talmud (b. Ketubbot 111b, vgl. j. Pea VII 4): ,,Rabbi Simeon ben Tachlifa sagte: Vater hat uns einen Kohlstengel (קלח של כרוב) hinterlassen; (der ist so stark geworden, daß) wir auf ihm mittels Leiter auf- und abstiegen“. Die T. J.-Version Ms. Straßburg1, die ich abgedruckt habe, bemerkt bei dem Anlasse des Kohlstrunkes: ,,Und so wächst in manchen Jahren der Kohlstrunk in Jerusalem zu mehr als hundert Pfund heran bis zum heutigen Tage“. .Ich will mich nicht für die Richtigkeit dieser Angabe verbürgen, weiß auch nicht, ob der T. J.-Verfasser dies wirklich gewußt hat oder das Wunderliche des Jesus-Stengels nur glaubhaft machen will, auch will ich nicht untersuchen, ob er in diesem Punkte vom Talmud abhängt oder nicht2 — genug zu dem, das Wunderliche ist nun einmal da und man muß zu ihm Stellung nehmen. Ein Mann wie Eisenmenge!3־ schimpft auf beides, auf T. J. und Talmud, weidlich los; Heller tut das nicht, darf das nicht, denn dann hätte auch R. Simeon ben Tachlifa, der dies Wunder erzählt, dann hätte auch der Talmud,, der diese Nachricht aufnimmt, und zwar im Vereine mit anderen derartigen verblüffenden Zeichen der Fruchtbarkeit Palästinas, Blödsinn gesprochen; was denn tut Heller? Er verweist den Stengel in den Folklore, d. i. in das Reich der Fabel. Dies nämlich ist wohl der Sinn seiner Worte, wenn er schreibt (S. 37): ,,Beiträge zum Folklore des Tholdoth hat auch Friedrich von der Leyen gegeben in seiner Arbeit: Das Märchen in den Göttersagen der Edda, Berlin 1899, S. 23—25“. Ich gestehe, daß ich Leyens Buch früher nie gelesen hatte, wurde aber nach Helle!s Hinweis auf dasselbe neugierig, denn nach Hellers Worten mußte ich meinen, dieser ,,Folklorist“ lasse das ganze T. J. in dem Reiche des Folklore aufgehen — und siehe da: Leyen bespricht in der 1 Leben J. 45. Dort ist auch angeführt die Version des Kaymundus Martini, die statt ,,Jerusalem“ בית המקדש hat. 2 Schon E. B i s c h 0 f f, Ein j.-deutsches Leben Jesu, Leipzig [1895] verweist in seiner Anmerkung 36 auf II. Targum zu Esther 9ל und auf Laible-Dalman, J. Chr. im Talmud, 1891, S. 83. Bei uns s. weiter unten. 3 Entdecktes Judentum, S. 184.