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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 6 · p. Seite 588

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 6
Article
Neuere Ansichten über "Toldoth Jeschu"
Date
1932-01-01
Page
Seite 588 (sequence 3)
Language
German
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588 Samuel Krauß Ischariotes, die doch so wesentlich anders geartet ist als die Christliehe? Der Judas des T. J. ist nämlich nicht nur keine verachtliehe Figur, sondern der große Widersacher Jesu und sein Besieger und infolge dessen auch der Retter Israels. Heller meint aber: ,,Wenn nun nach Jahrhunderten dieser Namen und diese Gestalt auftauchen, scheint mir all das, was Juden über Judas erzählen, aus zwei Quellen zu fließen: 1. Aus der Polemik . . . 2. Aus dem Folklore" . . . Die Polemik spielt hier gewiß eine große Rolle, wie bereits bemerkt wurde; aber der Folklore gibt uns keine Erklärung dafür, warum dieser Mann, der Widersacher Jesu, just Judas heißen müsse, von den ,,Weisen" Israels gesandt wurde und mit jenem einen Luftkampf ausführte. Zumindest diese drei Punkte — es sind aber deren auch mehr ־— zeigen doch eine Abhängigkeit von etwas Gegebenem, und dieses Gegebene kann doch nur die christliche Tradition sein, wie sie in den Evangelien und in deren Ausläufern niedergelegt ist, der sich nun bewußt die jüdische Tradition entgegenstellt, und das, glaube ich, ist das Kriterion der Polemik und nicht des Folklores. Ein Beispiel soll das veranschaulichen. Bekanntlich gehört zum Wesen der T. J.-Darstellung, daß Jesus kraft seiner Zauberkünste alle Bäume der Erde beschwört, seinen Leichnam ■— er war früher gesteinigt worden — nicht aufzunehmen; was tun nun die ,,Weisen"? Sie hängen ihn auf einen großen Krautstengel oder Kohlstrunk (1(עקר כרוב. Es ist jetzt nicht unsere Sache, zu untersuchen, wie die T. J.-Schreiber auf diesen Gedanken kamen2, hier soll nur untersucht werden, ob ein Kohlstengel in 1 So steht zweimal in T. J. ms Straßburg (Leben J. 45), sonst ist aber קלח של כרוב im Gebrauche, so auch רשב״ץ (R. Simeon ben Zemach Duran) in seinem קשת ומגן im islam. Teil ed. Steinschneider (Ozar Tob 1881, 34). In den von Gin zbe rg herausgegebenen Geniza-Texten stehen andere Ausdrücke; s. weiter unten. 2 Vielleicht darf folgende Vermutung ausgesprochen werden. Gegen die Behauptung, ein Mensch könne in den Himmel fahren, wird schon im Talmud und Midrasch polemisiert (Stellen s. in Leben J. 268). Das Mittel der Himmelfahrt wäre das Reiten auf einem צרוב Cherub (oft von Gott, z. B. Ps 18u). Die Schilderung Ez 1 hat auch in Apc 4ß ff. Platz gefunden, wo aber eigentlich die Seraphim gemeint sind (G u t h e, Bibelwb. s. v. Cherub). Hauptsache ist die Beziehung auf Jesum. Nun hat sich die j. Legende einen Kalauer erlaubt: Ganz anders ist der כרוב, auf den Jesus stieg!

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