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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 6 · p. Seite 587

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 6
Article
Neuere Ansichten über "Toldoth Jeschu"
Date
1932-01-01
Page
Seite 587 (sequence 2)
Language
German
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Neuere Ansichten über ,,Toldoth Jeschu“ 587 als die hauptsächlichste Quelle dieser Toldoth anzusehen sei. Als frühesten Zeitpunkt für das Entstehen dieser Art von Ueberlieferungen nimmt Krauß den Ausgang des vierten Jahrhunderts n. Chr. an . . . Vom achten Jahrhundert an sind die T. J.1 sicher bezeugt. Deren vornehmlicher Wert besteht darin, daß sie uns über die Anschauungen unterrichten, die sich innerhalb des Judentums über das Christentum gebildet haben. Wir erwarten von diesen Schriften also keine verläßlichen Nachrichten darüber, wie sich die Ereignisse wirklich zugetragen haben, wohl aber eine sichere Auskunft über die Art und Weise, wie sich diese Vorgänge in den Augen der mittelalterlichen Juden abgespielt2 haben/‘ Jedenfalls hat das bloße Schimpfen auf das T. J., das von den älteren christlichen Theologen als ,,Schmähschrift“, ,,Teufelswerk“ und dgl. bezeichnet wurde, so ziemlich aufgehört. Ich rechne das als Verdienst meines Buches an. Die modernen jüdischen Forscher hatten in derselben Tonart geredet; nun ist es, wie ich glaube, auch in diesen Kreisen stiller geworden. Aber die Schule ist nicht ausgestorben. Beweis — daß erst jüngst Prof. B. Heller3 sich bemüßigt sieht, dem T. J. jeden Wert abzusprechen. Dies zwingt mich, das, wie man sieht, nicht belanglose Thema wieder aufzunehmen. 1. Allgemeines• Heller geht von der Tatsache aus, daß jüngst eine größere Abhandlung über Judas Ischariotes— eine zentrale Figur im T. J. — erschienen ist4, die den Beweis erbracht haben soll, daß Jahrhunderte hindurch in der alten Kirche nicht nur keine geschichtliche Ueberlieferung über Judas lebte, sondern auch eine Legenden Überlieferung zumindest im Okzident nicht nachweisbar sei (S. 35). Gesetzt, daß das wahr sei, was folgt daraus für die jüdische Figur des Judas 1 S. m e i 11־ Lehen J. 5, wo allerdings neuntes Jahrhundert. 2 Soll wohl heißen ״abgespiegelt“, s. Leben J. 23ל unten. 3 In dem Aufsatze ,,Über Judas Ischariotes in der jüdischen Legende‘' in MGWJ Jg. 76 (1932), S. 33—42. 4 Paul Lehmann, Judas Ischarioth in der lat. Legendenüberlieferung des Mittelalters, in Studi Medievali, Nuova Serie, Torino (1930), S. 289—346. Prof. Heller war so freundlich, mir sein Exemplar, das ihm vom Verf. zugegangen ist, zu leihen; dafür sage ich ihm besten Dank.

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