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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 6 · p. Seite 585

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 6
Article
Ein französischer Dichter des 14. Jahrhunderts über Raschi
Date
1932-01-01
Page
Seite 585 (sequence 9)
Language
German
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Ein französischer Dichter des 14. Jahrhunderts über Raschi 585 Was uns aber vor allem interessieren muß, ist die Frage: woher wußte Jean, daß der ״Verfasser" des Talmuds (d. h. eben Raschi, der maßgebliche Interpret des Talmuds) in Troyes gelebt hat? Aus den Werken christlicher Theologen hat ex das offenbar nicht erfahren. Denn nirgendwo wird anscheinend im theologischen Schrifttum des Mittelalters dieses Umstandes gedacht; während Maimonides bei den Scholastikern oft als ״Rabbi Moyses Aegyptiacus" bezeichnet wird, heißt Raschi nur kurz ״Rabbi Salomo" (wenn er nicht überhaupt anonym mittels ״dicit, exponit Glos af( oder ״. . . . Glosa hebraica" zitiert wird). Auch Nikolaus von Lyra (ca. 1270—1340, also Jeans älterer Zeitgenosse), der für seine Bibelexegese Raschi bekanntlich so viel verdankt, nennt ihn nur auf diese abgekürzte Weise, auch dort, wo er ihn zum ersten Mal seinen Lesern vorstellt (im zweiten Prolog seiner ״Postillae perpetuae"): ״Similiter intendo, non solum dicta doctorum catholicorum, sed etiam hebraeorum, maxime Rabbi Salomonis, qui inter doctores hebraeos locutus est rationabilius, ad declarationem sensus litteralis inducere."1 Und ebenso (um auch einen späteren Beleg hierfür zu bringen) heißt es mit Bezug auf den Bibelvers ״wir wollen einen Menschen machen" in einem noch ungedruckten, mittelhochdeutschen Gedicht von einem gewissen Paulus Ferber (verfaßt 1405), das in der Berliner Handschrift cod. gern!, quart. 97 steht: ״Und gotes meinung also gewesen, Daz han ich in der glos Rabi Salomon gelesen: Er hot alles himelsthir Zu rot (= Rat) ginumen; dorumb spricht er ,wir‘." Es ergibt sich also: wenn Jean ausdrücklich Troyes als Heimatsort nennt, wo er Raschi meint, so ist das literarisch nicht zu belegen. Da ist nun interessant, daß der Mann, der diese Verse schrieb, in Chavanges lebte, d. h. in einem Ort, der in der Nähe von Troyes liegt. Man hat also anzunehmen, daß Jean durch Hörensagen von dem ״Verfasser" des Talmud erfahren hat, und dies ist es, was der Stelle ihren Reiz gibt: sie ist das einzige Zeugnis dafür, daß 1 Vgl. seine Schrift ״De differentia nostrae translationis et hebraicae litterae“ Rouen s. a. (15. Jh.), Ende: ,,Ego vero in talibus communiter secutus sum Rabi Salomonem cuius doctrina apud Judeos modernos magis authentica reputatur.“

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