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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 6 · p. Seite 582

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 6
Article
Ein französischer Dichter des 14. Jahrhunderts über Raschi
Date
1932-01-01
Page
Seite 582 (sequence 6)
Language
German
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582 Heinz Pflaum referiert sind, die christlicher Anschauung Ärgernis geben konnten1. Der Verfasser des־ Werkes wird in mehreren Handschriften als ״Theobaldiis subprior parisiensis, ordinis Praedicatorum, qui quondam erat' Judaeus“ bezeichnet. Man möchte daher geneigt sein, ihn mit jenem ״Frater Theobaldus de Sexannia“ (Sezanne, Arrondissement Epernay?)2 zu identifizieren, der als einer der Referenten (?) in Sachen der Talmudverbrennung in einem Schreiben3 des Pariser Rektors 1278 genannt wird4 5. Diese (ältere) ,,Pharetra fidei“, die durch ihre Hervorhebung christenfeindlicher Stellen des jüdischen Schrifttums6 und durch ihre außerordentliche Verbreitung 1 Das ganze Werk bzw. der eine oder der andere seiner beiden Teile ist in zahlreichen Handschriften erhalten, zum Beispiel Berlin, cod. theol. lat. 306; Erfurt, cod. Ampi. fol. 338; Göttweig, Stiftbibi. 427; Freiburg i. Br. Un.־׳Bibl. 638; Wien, Gat. Denis Nr. 306; Stargard, Marienkirche; Mersebürg Domstift; München, cod. lat. 101, 311, 3070, 3243, 4350, 4366, 5660, 5672, 5896, 5940, 7547, 7557, 7806, 9005, 9558, 12389, 14227, 14265, 14553, 14722, 15141, 16061, 16464, 18142, 18335, 19610, 21259, 21573, 22377, 23787, 23833, 23875, 23923, 23975, 26799, 26847 (keine andere europäische Bibliothek hat so viele Abschriften; diese starke Verbreitung des Werks in bayrischen Dominikanerklöstern ist bemerkenswert). Die älteste Handschrift scheint München 21573 zu sein, die der Katalog dem 13. Jahrhundert zuschreibt. Zu beachten ist, daß die in den Inkunabeln Hain 12910—12916 sowie in zwei Landshuter Drucken von 1514 und 1518 vorliegende anonyme ,,Pharetra fidei“ abgesehen vom Prolog nichts mit der echten ״Pharetra“ zu tun hat; dagegen ist umgekehrt die unter dem Titel ״Objectiones in dicta Talmut“ in sechs Inkunabeln (Hain 15229—15234) vorliegende anonyme Schrift in Wahrheit der erste Teil der alten ,,Pharetra“. Während der dogmatische (zweite) Teil noch ungedruckt ist, hat den talmudischen Teil Wolf, Bibi. Hebf. IV 556—68 aus einer der Inkunabeln abgedruckt. 2 ״De Sezanne“ als Beiname eines Juden ist auch sonst zu belegen: in einer lateinischen Urkunde von 1294, die P. Pietresson de S. Aubin in der Zeitschrift ״Moyen-Age“ XXXI (1920) 87 gedruckt hat, wird auch ein ״Magister Jodocus de Sezanna, judeus“ erwähnt. 3 Dies Schreiben istgenau nur bei Denifle und Chatelain, Chartularium TJniversitatis Parisiensis, Paris 1889, I 209—11 gedruckt. ,4 Dagegen wird die Identifikation jenes Theobaldus Subprior mit Theobald von Sachsen, der zur Zeit des Basler Konzils Theologieprofessor war, dadurch widerlegt, daß die ältesten Handschriften der ״Pharetra“ spätestens dem Anfang des 14. Jahrhunderts angehören. 5 Theobald übersetzt z. B. schon jenen polemischen Passus des Achtzehn-Gebets, der bis in unsere Zeit so oft dazu verwendet worden ist, den Christenhaß der Juden zu erweisen.

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