Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Ein französischer Dichter des 14. Jahrhunderts über Raschi
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 579 (sequence 3)
- Language
- German
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Ein französischer Dichter des 14. Jahrhunderts über Raschi 579 . . Deswegen müssen sich, die falschen Juden, die stinkenden Luder, gar sehr schämen, sie, die da sagen, daß aus meinem Samen das Kind gezeugt ward; damit trumpfen sie auf. Aber das lügen sie in ihren eigenen Hals. Und diese Lüge ist nicht die einzige: noch mehrere gibt es im Talmud, den der schmutzige, erbärmliche, stinkende, plattnasige1 Kerl gemacht hat. Ich will mich nicht dazu herablassen, seinen Namen zu nennen; man sollte ihn totschlagen. Den Talmud hat der elende Hund im Judenviertel zu Troyes gemacht; dort hat er mancherlei Lügen ausgesonnen, häßliche und plumpe Worte/') * 5|e * Daß der Dichter hier den Talmud nennt und was er darüber sagt, ist zwar bemerkenswert, insofern so frühe Erwähnungen des Talmuds in dichterischen Werken selten sind, wird aber •verstündlich, wenn man auf die freilich noch wenig erforschten Anfänge des christlichen Talmudstudiums einen Blick wirft. Daß der Talmud2 eine Fülle von Verunglimpfungen der Christliehen Dogmen enthalte, war bei den theologisch gebildeten Christen längst opinio recepta. Schon zu Anfang des 12. Jahrhunderts hatte Petrus Alfonsi3 1 Dies die sowohl al!französisch wie neufranzösisch übliche Bedeutung von ״camus“; es ,würde freilich nahe liegen, an unserer Stelle ,,camus“ geradezu als ,,krummnäsig“ zu verstehen; doch ist der positive Nachweis für diese Bedeutung nicht zu erbringen (über die sehr komplizierte Semasiologie der Wortsippe ״camus“ siehe Spitzer, Zeitschrift für romanische Philologie XLII, 1922, 13—14); ich halte es sogar für möglich, daß das Wort hier und in einigen anderen altfranzösischen Belegen nur allgemein als Schimpfwort (,,Halunke“ oder dgl.) gebraucht ist. Es ist jedoch zu beachten, daß einerseits Gautier de Coincy, Miracles de la Ste. Vierge (ed. Poquet, Paris 1857) 132 XVII in ganz ähnlicher Weise den Teufel ״li orz camus“ nennt, und daß andererseits im Redentiner Osterspiel von 146-4 (bei Mone, Schauspiele des Mittelalters, 1846, II 42 ff.) der Teufel bei seiner ״krummen nesen“ schwört. 2 Dieser Name umfaßte für die Christen m. E. die Gesamtheit des rabbinischen Schrifttums, also vor allem auch den Midrasch. 3 Daß die Form ,,Alfonsi“ und nicht ,,Alfonsus“ richtig ist, zeigt (wie angesichts des häufigen Fehlers hier betont sei) die übereinstimmende Lesart mehrerer guter Handschriften der ,,Disciplina Clericalis“.— Hand־ Schriften, die obendrein verschiedenen Zweigen der Überlieferung angehören; vgl. den Variantenapparat zu Kap. 1 der unten genannten Ausgabe von Hilka und Söderhjelm. 37'