Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Scheeltoth und Jelamdenu
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 574 (sequence 17)
- Language
- German
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574 V. Aptowitzer Summa: Die Scheeltoth des R. Acha haben der alten palästinischen halachischen Derascha eine neue Form gegeben, die babylonische. Es entstanden zwei neue Gattungen der halachischen Pethicha: 1. die J elamdenu-Pethicha mit ילמדנו רביבו in der Frage und כך) שנו רב״תיבו) in der Antwort; 2.. die Halacha-Pethicha mit הלכה אדם מישראל in der Frage und כך) שנו חכמים) in der Antwort. Diese ,Grundformen haben durch alle Zeiten ihre Reinheit bewahrt, es findet sich niemals ילמדנו רבינו mit שנו חכמים oder הלכה mit 1שבו רבותינו. Sonst aber sind durch Bearbeiter oder vielleicht auch Kopisten neue Bildüngen entstanden: הלכה ohne ,,2“אדם מישראל, zuweilen auch ילמדנו mit 3אדם מישראל und der neue Terminus למדונו רבותינו zur Anführung amoräischer und nachtalmudischer Sätze4. 1 ln Deut. p. beginnt zweimal die Antwort mit שנר רבותינו : I, 10 und 15. Aber höchstwahrscheinlich ist ש״ר ־ שנו רבותיבר aus שנו חכמים ש°ח verschrieben, wie wir solchen Verschreibungen auch anderswo begegnen► Vgl. oben S. 570 Anm. 2. 2 Fragment IV in Ginze Schechter ed. Ginzberg I, 37—50. Einmal: אדם מישראל ohne הלכה S. 46. 3 So zweimal Pesikta rabbati. Vgl. meinen Aufsatz in Hebrew Union College Animal VIII, I. Ginzbergs Fragment hat, soweit der Text erhalten ist, in der Antwort in der Regel כך שנו,שגו, zweimal שגו רבותינו. 4 So Deut. r. und Pesikta rabbati, vgl. HUCA a. a. 0. — Nachdem mein Aufsatz ganz abgeschlossen war, wurde ich auf einen Aufsatz ,,Zur Erforschung des Jelamdenuproblems“ in Monatsschrift 1930, S. 266 ff. aufmerksam gemacht, in welchem ebenfalls der Jelamdenu zu den jungen Midraschwerken gezählt wird. Leider aber kann ich von diesem Aufsatz keinen Gebrauch machen, weil der Verfasser seine These auf Behauptungen stützt, die offenkundigen, aller Welt bekannten Tatsachen widersprechen; z. B. 1. ,,Hingegen ist dies Verhalten durchaus möglich in einer Zeit, da die Opposition gegen eine mündliche Lehre gar zu sehr erstarkte und große Schwierigkeiten verursachte, etwa im siebenten Jahrhundert, zur Zeit A n a n s“ (S. 269). Alle Welt weiß, daß Anan erst in der zweiten Hälfte des achten Jahrhunderts auftrat. Vgl. z. B. Grätz V4, 182 ff. 2. ,,Es ist nicht auffallend, daß wir zu diesem Seder drei Homilien haben, denn der Abschnitt wurde im Zyklus mehr als einmal gelesen.“ (S. 272). Alle Welt weiß, daß in einem Kreise jeder Punkt nur ein einziges Mal vorkommt. 3. . . während 2, 9 seinen Jelamdenu- Charakter durch תמן תנינן verrät“ (S. 273). Tatsache ist, daß in den zirka 200 erhaltenen Jelamdenuderaschoth kein einziges Mal תמן תנינן vorkommt. Hingegen ist das eine der stehenden Zitierformeln in Gen. r., alter Pesikta und Lev. r. Vgl. oben S. 569.