Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur jüdischen Altertumskunde
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 556 (sequence 12)
- Language
- German
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556 S. Klein eine gewisse Bedeutung, da es an einer wichtigen Straße lag, die aus der Gebirgsgegend in die Ebene Akkos hinabführte. Handelsreisende, deren Ziel der Hafen von Akko war, durften oft ihre Reise, besonders am Sabbat ־־Vorabend, hier unterbrochen haben. Ein glücklicher Zufall hat es gefügt, daß wir gerade aus der Herberge dieses Ortes inschriftliche Kunde erhielten. Eine solche durfte in anderen bedeutenderen Orten Galiläas noch weniger gefehlt haben, wenn wir ihre Existenz leider auch nicht quellenmäßig nachweisen können, wie dies z. B. bei Kefar Hittajja (oben § 8) der Fall war. 11. Dort hatten wir als Bezeichnung des Fremdenhauses בי זרח, in Rama בית אורחותה kennen gelernt. Es läßt sich vermuten, daß man auf die jüdischen Fremdenhäuser neben diesen aramäischen Namen auch den Namen Pandocheion, wie dies bei den christlichen Herbergen der Fall war, angewandt hat. So erfährt man. von dem Pandocheion des untergaliläischen Ortes L u b i j a1 (פונדקי דלביא), der an der Straße Zippori-Tiberias lag. Die Einkehrer waren Juden. Es wird mitgeteilt, daß R. Jirmeja (im 4. Jahrhundert) die in diesem Pandocheion sich aufhaltenden Eseltreiber zum gemeinsamen Mahl und Tischgebet eingeladen habe. All dies entspricht jenen Zügen, die wir betreffs der Fremdenhäuser gehört hatten. Es ist nach all dem leicht zu begreifen, daß die Agadisten,, wenn sie vom אשל Abrahams sprachen, das von ihm gegründete Fremdenhaus mit dem Fremdwort פונדק bezeichnen. Dieses Pandocheion Abrahams wurde als Vorbild sämtlicher Fremden־ liäuser hingestellt; oder richtiger gesagt : die wesentlichen Züge eines solchen wurden nach agadischer Manier auf jenes ,,Eschel“ übertragen: die Einkehrer erhielten dort —־ so wurde gesagt — Speise, Trank und Nachtherberge und sie hatten dort gemäß der Weisung des Stammvaters, Gebete verrichtet2. 1 jer. Schekalim VII 5; jer. Berachot VII (11c). Die Feststellung־ der richtigen Lesart des Ortsnamens verdanken wir S. Liebermann in תרביץ II, S. 110. Der Ort heißt heute Lübije. 2 Ber. R. 54, § 6, mit zahlieichen Par alleis teilen. Es braucht nicht erst hervorgehoben zu werden, daß es־ auch zahlreiche Pandocheia im privaten Besitz gegeben hat; vgl. oben § 5; Kr auss: קדמוניות התלמוד I 1, S. 133 ff.; Klein, MGWJ 1930, S. 376.