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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 6 · p. Seite 557

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 6
Article
Zur jüdischen Altertumskunde
Date
1932-01-01
Page
Seite 557 (sequence 13)
Language
German
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Zur jüdischen Altertumskunde 557 12. In welch hoher Wertschätzung aber die Erfüllung der Liebespflicht denWanderern oder Reisendengegenüber, wie sie das Fremdenhaus zum Ausdruckbrachte, bei den Lehrern Israels stand, wird durch die folgende Agada besonders sprechend zum Ausdruck gebracht: Warum wurde Micha (Richter 17 f.) nicht unter denen genannt, die keinen Anteil an der zukünftigen Welt haben? — Die Antwort lautet: Weil sein Brod den Wanderern stets zur Verfügung stand. Darauf wird eine Barajta des R. iSTatan angeführt: Von Garab (dem Standort des Götzenbildes Michas) bis Siloh waren nur 3 Meilen, und der Rauch des Opferaltars von Siloh und der vom Götzenbilde Michas vermischten sich miteinander. Die Engelscharen wollten den Micha verstoßen, daß er keinen Teil am zukünftigen Leben habe, aber Gott sprach zu ihnen: Lasset ihn, denn sein Brod steht denWanderern stets zur Verfügung1. Nicht die midraschische Grundlage dieser schönen Agada ist es, was uns hier näher interessiert2, sondern vor allem die sich in ihr kundgebende Wertschätzung der Institution des Fremdenhauses selbst einem götzendienerischen Stifter gegenüber. Ferner erfährt man aus dieser Agada, daß es Fremdenhäuser an jeder größeren Verkehrsstraße gegeben hat. Hier handelt es sich um die wichtige Mittelstraße des palästinischen Berglandes, die aus Jerusalem nach der großen Ebene führte. Drittens aber glaube ich, in dieser Agada eine Bestätigung der von mir (oben § 10) vorgeschlagenen Lesung der letzten Worte in der Herberge-Inschrift von Rama zu finden. Es wurde gefragt, warum Micha Teil am zukünftigen Leben הלק לעולם הבא habe? — und die Antwort war: weil er für das Brod der Wanderer sorgte. Vor den Augen des Agadisten schwebte jen.e Segensf o r m e 1, die sicherlich nicht bloß in Rama am Fremdenhaus angebracht war: יהי ח ו ל ק ה 1 ן עם צדיקיה : Wer diese Liebespflicht erfüllt, der kann seines Teiles am zukünftigen Leben sicher sein! (Fortseizung* folgt) 1 b. Sanhedrin 103 b. Z. St. s. meine Ausführungen in MuNDPVl912, S. 19 f; Dal man, Orte und Wege3, S. 230; PJB 1912, 27. 2 Diese ist in jer. Berachot IX (13 d) zu finden, wonach der I Kön I315ff. genannte alte Mann in Bet-El der Götzenpriester Michas war. Von diesem Alten heißt es aber, daß er den auf der Wanderung sich befindlichen Propheten zum Brod sich lud. Vgl. auch Rieht. 182 (man übernachtete וילינו — wie oben § 1 — im Hause Michas).

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