Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur jüdischen Altertumskunde
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 555 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829983-2829990-2838002--51614-2838053- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur jüdischen Altertumskunde 555 ursprüngliche Fremdenhaus innerhalb der Synagoge nicht mehr genügte. Steht doch das Städtchen an einer wichtigen Verkehrsstraße an der Grenze Ober- und Untergaliläas! Unterhalb des linken Engelbildes liest man die freilich verwischten Schriftzüge der beiden Worte: יהי חולקהון, die jedenfalls einer Ergänzung, wie oben vorgenommen, bedürfen. Die Ergänzung עם צדיקיה scheint mir außer Zweifel richtig zu sein, da diese Segensformel mehrfach überliefert ist. In Palästina selbst findet sie sich in der Sessel-Inschrift aus der einstigen Synagoge von Korazin: 1יהי לה ה1לק עם צדיקים. Wie ich aus einer von Herrn Prof. J. B. Frey, Direktor des französischen Seminars in Rom mir zugekommenen Photographie einer griechischhebräischen Grabinschrift aus Otranto ersehe, folgen dort dem griechischen Texte die Worte 2♦**בשלום עם צדיקים; und besonders häufig erscheint dieser Wunsch in spanisch-jüdischen Grabinschriften aus dem Frühmittelalter3, aus denen zugleich klar hervorgeht, daß jener ,,Teil mit den Gerechten“ in der zukünftigen Welt gedacht ist. Diese Formel konnte also erst na c h dem Hinsch ei de n der Stifter des Fremdenhauses von Rama auf . sie angewandt werden, d. h. die Inschrift mit den ungelenken Zügen ist erst mehrere Jahre nach der Gründung der Herberge in den Stein eingemeißelt worden, um das Gedächtnis der frommen Stifter innerhalb der Gemeinde zu erhalten. Mag nun sein, daß die Inschrift etwa dem 3. oder 4. Jahrhundert angehört, um welche Zeit das Aramäische in Galiläa selbst in Synagogeninschriften das Hebräische verdrängt hat4; die Stiftung selbst durfte jedenfalls um einige Jahrzehnte älter als die Gedächtnis- Inschrift gewesen sein. Rama, wo dieses Fremdenhaus stand, ist aus der Literatur nicht bekannt; es wird wohl nicht zu den bedeutendsten. Orten Galiläas geholt haben. Immerhin hatte es, wie bereits bemerkt, 1 Meine Pal. Stud. I, Heft4, S-57־ ff.; S ukenik in תרביץ I, Buchl, S. 150. 2 Jetzt ־veröffentlicht (ohne Lesung der hebr. Worte) in Rivista di Archeologia Gristiana, 8 (1931) p. 120; berichtigt: Rev. bibl. 1932, 96 ff. Über diese Formel ebd. 99 ff. 3 M. Sch w a b, Rapport sur les Inscriptions Hebräiques de 1 ’Espagne S- 2:3, wo.die Ergänzung עם [שאר] הצדיקים überflüssig ist; S. 33, Z. 8; S. 35, Z. 3. 4 Vgl. meine oben S. 547 Anm. 3 angeführte hehr. Abhandlung,'S. 28u. 34.