Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Erforschung jüdischen Denkens im Mittelalter
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 493 (sequence 24)
- Language
- German
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Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter 493 Auf die Geschichte der jüdischen Apologetik, die unbedingt einmal geschrieben werden muß, fällt mancherlei Licht aus der Arbeit von Erdmann Fritsch, Islam und Christentum im Mittelalter1. Zunächst auf die Auseinandersetzung mit dem Christentum. Die Mittelstellung der Dreieinigkeitslehre zwischen Monotheismus und Polytheismus führt im Islam (S. 40) genau wie im Judentum zu einem Schwanken darüber, ob das Christentum als heidnische Religion anzusehen sei. Und wenn die moslemischen Kritiker sich darauf beriefen, daß Jesus vom Dogma nichts gewußt habe (S. 121), und Paulus oder Konstantin für das geschichtliche Christentum verantwortlich machten (S. 49), so mußten solche Sätze auch auf Juden Eindruck machen. Die Kritik an den Versuchen der Christen, die Dreieinigkeit aus dem Alten Testament abzuleiten (S. 112 ff.), und die Abschaffung des Gesetzes mit Hilfe der allegorischen Methode zu rechtfertigen (134 f.; 145), finden auch im Judentum ihre Seitenstücke. Aber auch die Auseinandersetzung des Judentums mit dem Islam2 wird verständlicher, wenn man bedenkt, daß die Moslemin sich auf ihre äußeren Erfolge und auf den Glanz ihrer Wissenschaft beriefen (S. 53 f.); beide Glaubensbeweise hat Jehuda Hallevi im Auge. Endlich ist der Vorwurf der Textfälschung, der von den Moslemin den ,,Schriftbesitzern'f allgemein, also auch den Christen, gemacht wurde (S. 41; 58 ff.), wegen seiner Wiederkehr in den Angriffen der Christen gegen die Juden zur Renaissancezeit beachtenswert. Einige bereits abgeschlossene Arbeiten nenne ich anhangsweise, um die Richtung der Forschung zu bezeichnen und Doppelbearbeitungen vorzubeugen: M. B i e 1 e r, Die Logoslehre bei Gabirol, Würzb. Diss. Versucht die Funktion des Logos bei Gabirol, aber auch bei Philon, festzustellen. Fritz Bamberger, Der Gottesbegriff des Maimonides. Eine Analyse des More Nebukim unter dem Gesichtspunkte der Einheit des Systems. Die im Aufträge der Akademie für die Wissenschaft des Judentums begonnene Untersuchung sucht zu zeigen, daß der Attributenlehre, der Kosmologie, der Erörterung des Zweckproblems und der Lehre von Vorsehung und Prophetie nicht ganz der gleiche Gottesbegriff zugrunde liegt. Sie versucht, den Unterschieden wie der Einheit des Systems durch 1 Breslauer Studien zur historischen Theologie, Band XVII, Breslau 1930, 157 S., M. 8. 2 Wichtiges Material bietet auch der Artikel ,,Islam“ EJ VIII 582 ff. (noch von Josef Horovitz verfaßt).