Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Erforschung jüdischen Denkens im Mittelalter
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 492 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829983-2829989-2837871--51520-2837933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
492 l. Heinemann aber auch die Wirkung des Magneten galt dem Altertum als besonders schwer erklärlich1. Beide Gedankenreihen hatten ihren Sinn; A gliederte nach Sicherheitsgraden: 1. die unmittelbar einleuchtenden Axiome, 2. die Wahrnehmung der Sinne, auf die wir uns einigermaßen verlassen können, 3. Ergebnisse des Experiments, also des Zusammenwirkens der Sinne und des erheblich weniger sicheren logischen Schlusses2, 4. Berichte aus Überlieferung, die durchaus nicht immer glaubwürdig sind. B gliederte nach logischer Durchsichtigkeit: 1. die Axiome, die gleichsam die Logik in Reinkultur enthalten, 2. die logisch verständlichen Naturerscheinungen, 3. die unverständlichen, 4. Geschichtstatsachen, bei welchen eine logische Kontrolle garnicht möglich ist. Beide Reihen trafen im 1. und im 4. Glied zusammen und berührten sich in den Mittelgliedern derart, daß Albo, dessen starke Seite das logische Denken nicht war, aus A die Behauptungen und aus B die Beispiele mit Erläuterungen entnommen hat. Auch III 26, 5 findet B. den Gedankengang nicht ganz klar. Gemeint ist: die doppelte Fassung des Sabbatgebotes im Dekalog weist. darauf hin, daß Gott nicht nur der Schöpfer der Welt ist, wie das auch viele Philosophen glauben, sondern überdies ihr ständiger Lenker; denn als dieser erwies er sich durch die Befreiung Israels (§ 3). Das Eigentümliche und Neue dieser Lehre, dessen sich Albo § 4 rühmt, liegt nur darin, daß die befreiende Tätigkeit Gottes die notwendige Ergänzung zu seiner Schöpfertätigkeit bildet. Daher können ihm diejenigen Erklärer nicht genügen, nach welchen (§ 5) die Ruhe als solche nur den Vorgang der Befreiung beweisen soll, da ein Sklave nicht ruhen kann, der siebentägige Abstand der Ruhetage aber an die Schöpfung erinnern soll. Denn, meint Albo, nach dieser Erklärung ״ist gar kein Grund ersichtlich, weshalb der Sabbat nicht ausschließlich zum Andenken an die Weltschöpfung gefeiert werden soll“, da die Erklärung ja nicht hervorhebt, daß eine Feier der Weltschöpfung lückenhaft, ja, mißverständlich wäre, wenn sie nicht durch die Erinnerung an die befreiende Tätigkeit Gottes ihre Ergänzung fände. 1 Ciceros Quelle ist zweifellos Poseidonios, der, wohl durch Vermittlung Galens (Löw, Flora der Juden I 451 f. über Scammonia), auf die Araber wirkte. Als bekannt setzt Maimuni, שמנה פרקים IV S: 11 Mitte des Textes, S. 23 der Übs. das Mittel voraus. Ähnliches dürfte vom Magneten gelten: Reinhardt, Poseidonios 105; Romme bei Kroll, Realenzyklopädie der Altertumswissenschaft XIV 480 f.; Wolfson, Crescas 90 ff.; 562 ff.; Löw oben S. 456 ff. 2 Die aristotelische Lehre -6 h 0üv9i3et 6ei (De an. 430 b 1) wirkt bekanntlich bereits auf Saadjas Er kennt nisiehre, der sowohl den Sinnen (2 bei Albo) wie dem unmittelbaren Vernunfturteil (ähnlich 1 bei Albo) unbedingt vertraut, dagegen dem logischen Schluß und auch der geschichtlichen Überlieferung kein uneingeschränktes Vertrauen schenkt. Das Zusammentreffen der Vierteilung der Erkenntnisquellen bei Saadja mit der bei Albo durchschimmernden Reihe A ist nicht als rein zufällig zu betrachten. <9