Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Erforschung jüdischen Denkens im Mittelalter
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 491 (sequence 22)
- Language
- German
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- Cicero 1× ep/1024888
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Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter 491 So gibt er I 18 der Lehre Maimunis, daß Wunder kein Beweis für die Sendung eines Propheten sind, folgende eigenartige Wendung: selbst wahre Propheten können nach dem Talmud mit Verkürzung des Lebens bestraft werden, wenn sie von ihrer Prophetie einen Gebrauch machen, der nicht im Sinne Gottes ist. Daher ist der Prüfstein für denjenigen * der sich der heiligen Namen bedient, ob er etwa eines unnatürlichen oder frühen;Todes stirbt; der (halachische) Grundsatz gilt auch hier, daß sich alles nach der Besiegelung am Ende richtet1. .—־ Der apologetische Charakter dieser Ausführungen liegt auf der Hand2; trotz der allgemeinen Wendung, die Albo diesem Gedanken gibt, kann es daher kaum zweifelhaft sein, wer der Prophet ist, auf dessen unnatürlich frühes Ende er anspielt, um der Berufung auf seine Wunder jede Beweiskraft zu nehmen. Hat doch Albo auch für Maimunis gleich versteckte Anspielung auf Mohammeds sinnliche Lebensführung volles Verständnis (s. 0. S. ). I 17, 3 unterscheidet Albo viererlei Wahrheiten, die wir ,,ohne Beweis ännehmen“ (d. h. nicht von anderen ableiten): 1. die Axiome, 2. sinnlich wahrnehmbare Tatsachen, 3. experimentell feststellbare, 4. geschichtlich überlieferte. Die Unterscheidung zwischen 2 und 3 nennt H. I, S. 147, 1 unklar; mit Recht; denn zu der 2. Gruppe rechnet A. die kühlende Wirkung des Opiums, die erhitzende des Pfeffers; zur 3. die anziehende des Magneten und die abführende der Scammonia; die Beispiele stimmen also nicht recht zur Regel, da die Wirkung der Scammonia keines anderen Experiments bedarf als die des Opiums; vielmehr rechtfertigt A. selbst die Einteilung der Beispiele damit, daß die Wirkungen des Opiums und des Pfeffers sich aus der Zusammensetzung der Teile (wir würden sagen : chemisch) verstehen lassen, die des Magneten und der Scammonia aber nicht. Folglich verquickt ■er zwei verschiedene Einteilungen A und B, die sich in seinen Quellen gesondert vorgefunden haben, mögen. A ist eine Weiterführung der aristotelischen Scheidung von ,,kunstgerechten und kunstlosen BeweiseiV, bei welcher freilich zunächst an die rhetorische Kunst gedacht war3. B geht auf die antike Unterscheidung erklärlicher und unerklärlicher Wirkungen zurück, wie wir sie z. B. bei Cicero De div. I 16 finden, wo als Beispiel .für eine unerklärliche Wirkung die — Scammonia genannt ist; 1 הפל הולך אחר החתום Ber. 12a: das Ende (des Segensspruchs) ist •entscheidend für die Beurteilung des ganzen. Die Beziehung auf den Grundsatz אין קיום השטר אלא בחותמיו (Ginzberg in den Nachträgen, IV 542) liegt sprachli ch und sachlich ferner. 2 Husik, Mediaeval Philos. 415. 3 Rhet. 1355b unten: Von den Beweisen sind die einen äzv/yoi, die anderen svTeyyoi, *A-eyvot nenne ich diejenigen, die nicht durch uns beschafft sind, sondern vorher da waren, wie Zeugenaussagen, Geständnisse, Verträge u. dgl., Iv-syvot diejenigen, weiche auf methodischem Wege und durch uns gewonnen werden können. Jene muß man daher gebrauchen, «diese finden.