Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Erforschung jüdischen Denkens im Mittelalter
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 489 (sequence 20)
- Language
- German
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Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter 489 Motive nennt W. den Widerspruch zwischen Aristoteles und ״gewissen biblischen Überlieferungen“, sowie logische und empiristische Bedenken; diese sollen bei G. zusammenlaufen; insbesondere wünsche er die Religion ,,von der Notwendigkeit der Unterstützung durch die Spekulation“ zu befreien. Das genügt nicht. G. bekämpft vielmehr als bewußter Jude und als religiös fühlender Mensch den Anspruch des ״Griechen“ (W. 539!) auf Erkenntnis des letzten Lebensziels, da ein solcher Anspruch der Thora und ihrem unvergleichlichen Wert zu nahe trete; er empfindet überdies, ähnlich wie Ghazzali, Jehuda Hallevi und später Cordovero, die Unmöglichkeit, auf die aristotelische Metaphysik Religion zu begründen. Wenn auch diese Motive in den späteren Teilen des Werks deutlicher hervortreten, so hätten sie doch bei der allgemeinen Erklärung der Denkweise des C. berücksichtigt werden sollen. Trotz dieser Mängel ist W.s Arbeit zweifellos als besonders verdienst־־ lieh und ergebnisreich zu bezeichnen. Das religionsphilosophische Werk des Grescas-Schülers A1 b o ist nunmehr durch Husik herausgegeben worden, und zwar in der Schiff Library of Jewish Classics1. Diese Bücherei ist offenbar ein Gegenstück zu der Loeb Classical Library und stellt sich ähnliche Aufgaben wie diese; sie gibt den Text mit englischer Übersetzung, kurzer Einleitung und knappen Anmerkungen. Sie will also mindestens ebenso sehr dem Bedürfnis des Laien wie dem des Gelehrten dienen. Natürlich hat auch H. diesem Plan Rechnung getragen; man darf sein Buch nicht mit den Maßstäbeu messen wie dasjenige Wolfsons; aber auch er bietet dem Mitforscher manches Neue. Dem Text ist die Erstausgabe (Soncino 1485) und eine italieirische Handschrift vom Jahre 1454 zugrunde gelegt. Beide Textzeugen sind also zeitlich von der Ausgabe des Werks nicht weit entfernt und ergeben meist einen korrekten Text. Dennoch wäre es erwünscht gewesen, wenn H. die anderen ihm bekannten Hand- Schriften nicht nur ausnahmsweise herangezogen hätte; so ist dies, wie H. mit schätzenswerter Offenheit bekennt, auch Band II S. 65 unterblieben, wo H. durch Konjektur helfen will. Zweifellos aber bedeutet die Ausgabe einen großen Fortschritt im Vergleich zu den meisten seither verbreiteten, insbesondere an den Stellen, an welchen die Zensur (oder die Angst vor ihr) den Text umgestaltet hat. Sehr verdienstlich ist die Einteilung der Kapitel in Para- 1 Sefer ha-’ikkariin, Book of Principles, by Josef Albo. Bd. I, II, III, IVa, IVb. Philadelphia, The Jewish Publication Society of America 1929—30.