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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 5 · p. Seite 488

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 5
Article
Die Erforschung jüdischen Denkens im Mittelalter
Date
1932-01-01
Page
Seite 488 (sequence 19)
Language
German
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488 I. Hei ne mann dienen, indem sie die hebräischen Ausdrücke sprachgeschichtlich unter־ sucht und sie auf ihre arabischen und griechischen Vorbilder zurückführt. Zur Erklärung des Gedankengangs zieht W. vor allem die Kommentare zu Aristoteles, aber auch, zum ,,Führer“ des Maimuni heran; besonders dankbar ist die reiche Verwertung handschriftlich erhaltener Erklärer zu begrüßen. Sie ergibt insbesondere, daß Crescas in seiner Opposition gegen den herrschenden Aristotelismus stärker an vereinzelte Vorgänger, ins־ besondere an den Kommentar des Moslem Altabrizi zu dem naturphPosophischen Teile des More, anknüpfte, als seither bekannt war, ja, stärker vielleicht, als er selbst empfunden hat. Dagegen wendet W. mit Recht gegen die Überschätzung der Abhängigkeit von Ghazzali S. 12 ff. ein, daß die Übereinstimmungen zwischen beiden zum Teil recht äußerlicher Natur sind. Häufig weitet sich der Kommentar zu Exkursen aus über die Geschichte der Grundbegriffe der Naturphilosophie bei Arabern und Juden; auf diesen Untersuchungen bauen sich die dem Text vorangehenden Überschichten auf. Gegen einzelnes wird sich Widerspruch geltend machen; gegen W.s Meinung (S. 323), daß Maimuni im More Ibn Roschd nicht benutzt habe, vgl. Munk, Guide III 86, 3; im ganzen hat aber der Verfasser seine Hauptaufgabe, die Darstellung des spätmittelalterlichen arabischjüdischen Aristotelismus, zweifellos trefflich gelöst. Es fragt sich nur, ob er nicht zum vollen Verständnis ,der dargestellten Entwicklung noch tiefer hätte graben sollen. So lassen die sprachgeschichtlichen Ausführungen das Syrische ganz außer Betracht. Aber auch die Verwertung des griechischen Denkens bei W. (der die doxographische Überlieferung nach Plutarch statt nach Diels zitiert) ist unzureichend. Natürlich sieht W., daß der Aristotelismus bereits im Altertum seine Gegner hatte und daß deren Einspruch im Mittelalter nachwirkt. Aber der einzige ernsthafte Wettbewerber, den W. berücksichtigt (S. 120), ist der Atomismus. In Wahrheit weisen manche der von W. hervorgehobenen Abweichungen mindestens ebenso sehr auf den Einfluß der Stoa (s. 0. S. 480): so die Vereinheitlichung des Weltbildes (S. 118 f.) und der Ersatz des nur denkenden Gottes durch den wollenden und schaffenden (S. 122 f. dazu Heinemann, Poseidonios’ meL Sehr. II 34 f.); und namentlich die Fortführung der Arbeit hätte den Einfluß der Stoa auf die Überwindung der aristotelischen Scheidung von Geist und Seele und auf den (mit Unrecht bestrittenen) Determinismus des Crescas im Auge zu behalten. Sie dürfte aber auch an der Frage nicht Vorbeigehen, ob auf diesen guten Kenner des Christentums etwa die abendländische Scholastik, insbesondere in der Lehre von der Liebe Gottes, gewirkt hat. Auch gegen die Auffassung des Crescas können wir einige Bedenken nicht unterdrücken. Nach S. 24 ff. soll er nach talmudischer Methode arbeiten; diese Behauptung kann aber nicht überzeugen, da W. die Unterschiede^ dieser Methode von derjenigen des Aristoteles und seiner Kommentare garnicht heraus arbeitet. Ebensowenig befriedigt, was W. S. 124 über die Motive der Kritik des Crescas an Aristoteles zu sagen hat. Als solche

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