Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Erforschung jüdischen Denkens im Mittelalter
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 486 (sequence 17)
- Language
- German
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486 I. Heinemann allgemeine Wesen der Dinge ,und zugleich ein Bestandteil des Einzeldinges sein soll“; .in der Behandlung der mittelalterlichen Aristoteliker nachwirkt; aber, er erkennt auch die Tragweite der Lehre des Gersonides, nach welcher sich allgemeine Urteile, etwa über das Dreieck, nicht auf den allgemeinen Begriff beziehen, sondern auf die einzelnen Gegenstände, allerdings nicht in ihrer Vereinzelung, sondern soweit sie . unter den allgemeinen Begriff fallen; und er beruft sich auf neuere logische Untersuchungen, die in überraschender Weise mit Gersonides Zusammentreffen. Ein Zeitgenosse des Gersonides, Jehuda Campanton, schrieb, anknüpfend an eine bekannte Baraitä, ein philosophischhomiletisches Buch über die vier Dinge, die Gott in der Welt zu eigen hat : die Thora, Himmel und Erde, Israel, das Heiligtum. Von den vier Büchern, in welche sein Werk demgemäß zerfällt, hat E. H. Crolomb. nunmehr die ersten beiden herausgegeben1, leider nur nach einer Handschrift des Jüdisch-Theologischen Seminars in New York; eine ältere Handschrift vom Trinity College in Cambridge ist nur gelegentlich herangezogen worden. Übersetzung/Stellennachweise, Register• und eine kurze Einleitung sind beigegeben. Wünschenswerter wäre gewesen, der Verfasser hätte das ganze Werk hebräisch herausgegeben und nötigenfalls auf die englische Übersetzung verzichtet; denn Leser, die dies leichte Hebräisch nicht verstehen, werden wohl kaum; zu dem Buch greifen. Die Kennzeichnung des Schriftstellers läßt zu wünschen übrig. Seine harmonistischen Neigungen werden S. 16 etwas überschätzt; mit Meinungsverschiedenheiten im talmudischen Schrifttum rechnet dieser Maimuni-Schüler durchaus (S. 76); er nimmt auch keinen Anstoß daran, sowohl für die Lehre von der Einheit der Materie wie ■für die entgegengesetzte Lehre von dem Unterschied der himmlischen und irdischen Materie Stützen im Midrasch zu suchen. Weit mehr als auf die Festhaltung der Einheit des rabbinischen Schrifttums kommt es ihm auf die Ermittlung des philosophischen Sinnes rabbinischer Aussprüche an, an den ja auch sein Lehrer: Maimuni glaubt. Ob zu seinen Quellen der Sohar gehört hat (S. 8), ist mehr als zweifelhaft, da die Übereinstimmungen sich aus der Benutzung gemeinsamer schriftlicher oder mündlicher 1 Judah ben Solomon Campanton and his ״Arba'ah Kinyanim“ Philadelphia, The Dropsie College, 1930. 110 S. $ 2.;,