Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Erforschung jüdischen Denkens im Mittelalter
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 484 (sequence 15)
- Language
- German
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484 I. Heinemann beschreibung geht an keiner Stelle über das Bekannte, insbesondere über die Zusammenstellungen Simchonis EJ I 515 ff., hinaus; die Sammlung der seither getrennt veröffentlichten Briefe ist zu begrüßen; bedauerlich ist nur, daß Papier und Überwachung des Drucks sehr zu wünschen־ übrig lassen. Sehr förderlich dagegen ist die Behandlung, die Samuel Rosenblatt der gleichen Persönlichkeit widmet1. Er gibt ein wichtiges Kapitel aus der philosophischen Hauptschrift Abrahams zum ersten Male unter einem Sondertitel heraus, mit englischer Übersetzung und Stellennachweisen. Die Einleitung bespricht die Handschriften sowie die Textgeschichte und gibt eine Inhalts- Übersicht. Ihr folgt eine 83 Seiten fassende Kennzeichnung Abrahams im Rahmen seiner Zeit, die bezüglich des Bekannten bewußt auf Vorgänger verweist und insbesondere aus den neuveröffentlichten Texten neue Anhaltspunkte für die Auffassung des Denkers zu gewinnen sucht; Unter diesem Gesichtspunkt werden Theologie, Psychologie, Ethik, Weltbild und exegetische Grundsätze Abrahams besprochen, stets mit sorgfältiger Erörterung der Quellen und unter Beachtung der Strömungen der Zeit; verdienstlich ist, daß R. auch kulturgeschichtliche Folgerungen aus den neuen Texten zu ziehen sucht. Lehrreich ist vor allem Abrahams Verhältnis zum Sufismus. Wiewohl er Bachja nur einmal anführt (R. 42), berührt er sich doch mit ihm auf Schritt und Tritt, weil er noch stärker als jener (50) von sufischen Quellen beeinflußt ist (85 ff.). Möglich, daß in gleicher Richtung auch der persönliche Einfluß seines Lehrers Abraham Hechassid auf ihn wirkte, dessen Rationalismus bezeugt, dessen Neigung zur Herzensfrömmigkeit doch wohl aus seinem Beinamen zu erschließen ist2. Im Vergleich zu Mose Maimuni ergibt sich eine stärkere Betonung des Ethischen im Verhältnis zum Metaphysischen, eine größere Neigung, vom goldenen Mittelweg zum Asketischen abzugehen, klarere Fassung des Gedankens, daß der fromme Heide wertvoller ist als der buchstabengläubige und herzenskalte Jude. Sind dies auch durchweg nur graduelle Unterschiede, so möchte ich doch die Abweichung des Sohnes vom Vater noch höher einschätzen als es R. tut. In dieselbe Zeit führt eine apologetische Schrift des Mose von Salerno, die S. Simon zum ersten Male nach einer Handschrift 1 The High Ways to Perfection of Abraham Maimonides. New York, Columbia University Press, 1927, 214 S., geb. 17 sh. 6 d. 2 Eppenstein, Beilage zum Jahresbericht des Rabbinerseminars, 1914, 25.