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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 5 · p. Seite 480

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 5
Article
Die Erforschung jüdischen Denkens im Mittelalter
Date
1932-01-01
Page
Seite 480 (sequence 11)
Language
German
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480 I. Heinemarin wenn man More III 13 als eine Ablehnung der Teleologie sans phrase hinstellt1 — und dem Leser erst erheblich später (S. 442, 66; 501) verrät, daß Maimuni selbst klipp und klar unterscheidet zwischen einem ״letzten Zweck, von dem in diesem Abschnitt (ablehnend) die Rede ist“, und einem ״Zweck aller Naturdirige“, auf den sich diese Ablehnung garnicht bezieht2. Biologische Zwecke, also insbesondere das Dasein der Pflanzen für die Tiere, werden auch in diesem Kapitel durchaus nicht grundsätzlich abgelehnt; es wird nur bestritten, daß Gott die Welt hätte schaffen müssen, um irgend einen Zweck mit ihr zu erreichen. Von einem Widerspruch zwischen III und I ist also, wenn man Maimuni nur ausreden läßt, garnicht die Rede, wie auch leicht zu zeigen wäre, daß die angeblichen Widersprüche bezüglich des Verhältnisses von Schöpfung und Zweckgedanke sich bei Beachtung des Zusammenhangs von selbst lösen. Besser als Diesendrucks Fragestellung ist seine Antwort, insbesondere der Nachweis der Abweichungen Maimunis von Aristoteles. Nur sähe man hier gern auch den Einfluß der Stoa betont, die namentlich durch Ptolemaios und Galen auf Maimuni gewirkt hat, aber D. anscheinend nur unzureichend bekannt ist3; insbesondere die Überwindung des zweiteiligen Weltbildes dürfte auf sie zurückgehen; aber auch zwischen dem zwecksetzenden Willen der Gottnatur im Kosmos und in der sittlichen Welt besteht bereits hier ein ähnlicher Zusammenhang wie bei Maimuni. Dagegen ist die Parallele zwischen der Teleologie der Natur und der des Gesetzes selbstredend ein durchaus Maimuni eigentümlicher Gedankengang. Leider macht Diesendruck den Zusammenhang beider — nicht umsonst benachbarter — Untersuchungen in keiner Weise deutlich; wenn er S. 456 More III 25 f. als ״Teleologie des moralischen Gebotes“ bezeichnet, so geht er dem Eigenen, das Maimuni zur Gesetzesspekulation seiner Vorgänger hinzugefügt hat, geradezu aus 1 Natürlich beabsichtigt auch die von D. herangezogene Anmerkung D. Kaufmanns (zu seiner Darstellung des Ibn Zaddik) keine abschließende Kennzeichnung der Stellung Maimunis zur Frage der Teleologie. 2 Noch bedenklicher, weil nicht später zurückgenommen, ist die Verallgemeinerung, die D. an der Einl. zum Mischnakommentar (nicht zu Seder Seraim, wie D. Anm. 28 schreibt) vollzieht. Hier hatte M. den Menschen als Zweck der Welt unter dem Monde (Heinemann, Zweckbestimmung des Menschen 63, 2) bezeichnet. D. fügt S. 426 aus eigener Machtvollkommenheit hinzu: ״und eigentlich der Welt überhaupt.“ Wenige Zeilen später ist dies schamhafte ״eigentlich“ schon vergessen: ״M. folgt ganz dem Gedankengange Saadias.“ So wird M. in einer unterscheidenden Lehre zum Parteigänger des Kalam, dem er doch schon im Mischnakommentar seine unverhohlene Verachtung ausspricht. 3 ״In der Stoa ist der Ausgangspun kt anthropozentrisch, so pe\ Sene ca; und Epikte t; die r ömis che Stoa hingegen gelangte zur Selbst zwecklichkeit der Dinge“ 459, 96 ist mindestens sehr mißverständlich ausgedrückt. Sonst erwähnt D. die Stoa kaum.

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