Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Erforschung jüdischen Denkens im Mittelalter
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 481 (sequence 12)
- Language
- German
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Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter 481 dem Wege. Wie sich insbesondere die III 13 aufgestellte Unterscheidung erster und letzter Zwecke etwa in der Lehre vom Opfer (III 32 zu Jer 722 f•) auswirkt, ist aus Diesendrucks ausführlicher Darstellung der Teleologie nicht zu entnehmen. Diesendruck ist inzwischen zu Neumarks Nachfolger gewählt worden. Hoffentlich tritt er nur das Erbe seiner Vorzüge an! Mit dem Problem der seelischen Einheit Maimunis ringt auch A. Klein1. Freilich bewegt ihn nicht wesentlich die psycho־ logische Schwierigkeit, vielmehr fühlt er als Verehrer des Mischne Thora die schmerzliche Frage, ob es möglich sein kann, daß der Verfasser des More gleichsam einer anderen Welt angehört, wie es unter verschiedenen Gesichtspunkten S. R. Hirsch und Graetz geglaubt haben. Klein verneint die Frage. Die Gernara selbst, meint er, unterscheidet zwischen solchen Vorschriften, die im Bibelvers deutlich ausgesprochen sind, und solchen, für die sich nur eine Andeutung findet, unbeschadet des Offenbarungs- Charakters auch der letzteren. Maimuni hält sich also nur an diese traditionelle Unterscheidung, wenn er den klaren Wortlaut der Schrift da zu Grunde legt, wo es ihm darauf ankömmt, den Grundgedanken eines Gebotes festzustellen. Und wenn die Ansichten Maimunis. über den Sinn'der Gebote, wie der More sie entwickelt, sich im Laufe der Zeit auch als unrichtig erwiesen haben, so sind sie doch nicht etwa religiös bedenklich. Denn genau wie bei S. R, Hirsch ist auch bei ihm zwischen dem Sinn der Gebote, den wir vermutungsweise ahnen mögen, und dem Verpflichtungsgrund zu unterscheiden. Letzterer liegt auch nach Maimuni in dem Willen des göttlichen Gesetzgebers und wird durch die Rationalisierung nicht berührt. Auch ich glaube, daß man den Abstand der beiden Werke überspannt hat; aber die Einheit Maimunis.ist nicht so zu er־ fassen, daß man den Standort rein im Halachischen nimmt und von hier aus den Philosophen betrachtet. Maimuni gehört zwei Geisteswelten an; das haben seine Freunde wie seine erbitterten Gegner richtig gefühlt; aber der Einfluß beider ist in beiden Werken spürbar, und wenn Klein zeigt, daß auch der More den Halachisten nicht verleugnet, so könnte (und sollte einmal!) zusammenfassend der erhebliche Einfluß aufgewiesen, werden, den 1 Festschrift für Jacob Rosenheim, Frankfurt a. M. 1931, 212 ff. Monatsschrift, 76. Jahrgang 31