Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Erforschung jüdischen Denkens im Mittelalter
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 479 (sequence 10)
- Language
- German
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Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter 479 Unabhängigkeit von Teleologie und Kreation1 behauptet wird", lehrt das III. Buch, ״daß Kreation und Teleologie sich gegenseitig begünstigen.“ Die Lösung geht davon aus, daß III 13 zunächst die Lehre vom Menschen als Zweck der Schöpfung abgelehnt wird, dann aber jede Annahme eines Weltzweckes, ״soweit dieser dem Menschzweck in seiner inneren Struktur analog ist“, d. h. jede Annahme eines Dinges als Zweck (״verdinglichte Teleologie“). Dagegen faßt das erste Buch zunächst die Welt als Organismus, dem Vernunft innewohnt; von ihr gehen jene Schöpfungen aus, die als zweckbestimmt zu bezeichnen sind. Verschieden von diesem Zweckbegriff aber ist die Anerkennung Gottes als letzten Zweckes in einem bewußt unaristotelischen Sinne, als eines Zweckes, der ״ebenso jenseits des Naturhaften und Materiellen liegt, ebenso separat ist, wie die Bezeichnung Gottes als letzte Form.“ Jedes Ding hat demnach als Ding seinen Selbstzweck; als Teil der Welt ist Gott sein letzter Zweck. Dies gilt auch vom Menschen; ״nicht der Mensch ist ein Zweck, sondern dem Menschen ist (nach III 25) ein Zweck aufgegeben.“ Es wird also ״biologisch ein jeder Zweck abgelehnt; kosmologisch, in der Welt als organischer Einheit, und ethisch, in der Welt der intelligiblen Personen, wird der göttliche Zweck bejaht“ (460). Dies Ergebnis wird vertieft durch die Auseinandersetzung mit der Teleologie des Aristoteles und den Nachweis der Abweichungen Maimunis; besonders wichtig ist die Betonung der Einheit der Welt bei Maimuni im Gegensatz zu ihrer Zerlegung in eine Welt unter und über dem Monde bei Aristoteles, ferner, gemäß dem Wandel im Gottesbegriff, der Ersatz der ,,nicht eigentlichen“ immanenten Teleologie durch die ״eigentliche“ transzendente und, auf Grund einer absoluten platonisierenden Fassung des Begriffs des Guten, die Herstellung einer Beziehung zwischen den Zweckbegriffen der Natur und der Ethik, die bei Aristoteles fehlt. Nun grenzt es beinahe an eine Verdunkelung des Tatbestandes, 1 So schreibt D. fast immer für Schöpfung. Deutsche Fachausdrücke gebraucht er in der Regel nur dann, wenn er kein gleichwertiges Fremdwort zur Verfügung hat (daher Konklusion, aquirierter( l) Intellekt u.dergl.). Was würde Maimuni, der Sprachreinheit zu schätzen wußte, zu diesem Ausleger gesagt haben!