Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Text teilw. in hebr. Sprache
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 469 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829983-2829989-2837870--51495-2837910- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Schebua ha-ben 469 beschaffen, damit er sich ganz den Begräbniszeremonien widmen könne1. Wenn das Trauermahl der jemenitischen Juden am Schlußtage der Trauerwoche keine Nachahmung des islamitischen Brauches ist, so ist es sehr wahrscheinlich der Überrest einer früher üblichen jüdischen Sitte, nach der in der Trauerwoche täglich, wie noch jetzt bei den Juden in Indien, ein Trauermahl veranstaltet wurde. 4. Der konservative Sinn der Juden im Orient wird noch durch andere Sitten bezeugt, an denen sie festgehalten haben. So hat sich bei den Juden des Orients die Seleukidenära bis in das 16. Jahrhundert und in Jemen bis auf den heutigen Tag er־ halten, während bei den Juden des - Abendlandes um 1000 die Weltschöpfungsära eingeführt worden ist2. In den Synagogen von Jemen sprechen die Ahroniden noch in der Gegenwart täglich den Priestersegen3, und die Beter werfen sich dort beim Tachanun־ gebete zur Erde, wie es im jerusalemischen Tempel üblich gewesen ist4. Die Fastengottesdienste, die in Palästina zur Zeit der Regennot stattgefunden haben, waren im Abendlande später nicht üblich; bei den Juden im heiligen Lande wurden sie dagegen noch im 18. und in Jemen im 19. Jahrhundert abgehalten5. Wie im talmudischen Zeitalter das Brautpaar vor und nach dem Hochzeitsmahle im Brautzeit unter einem Baldachin (Chuppa) weilte, so pflegt noch jetzt das Brautpaar in Jerusalem während der Hochzeitswoche im Hause und in Kairo der Bräutigam in der Synagoge unter einem Baldachin zu sitzen6. Die seit dem 10. Jahrhundert eingeführte besondere Schriftlesung des Bräutigams in der Synagoge ist bei den Juden des Abendlandes seit dem 17. Jahrhundert außer Übung gekommen, während sie bei den Juden des Orients noch in der Gegenwart fortbesteht7. Am Sabbat vor der Hochzeitswoche tritt in Nordafrika der Bräutigam nach der Vorlesung des Wochenabschnittes mit einer besonderen Thorarolle vor das Vor- 1 Juynboll, Handbuch des islamischen Gesetzes, Leiden 1910, 171. 2 Sappir I 62b. 63a. Blau, Die jüdische Ehescheidung II 53 f. 3 Elbogen 71. 4 Sappir I 57a. 5 M. Taan. 2r5. Elbogen 126. Eisenstein, Ozar massaot 246a. Sappir I 108a. 6 Krauß II 42. Luncz 18, 6. Sappir I 10a. 7 Löw, Lebensalter 187 f. Sappir I 81a.