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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 5 · p. Seite 468

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 5
Article
Text teilw. in hebr. Sprache
Date
1932-01-01
Page
Seite 468 (sequence 4)
Language
German
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468 J. Bergmann Hochzeit gefeiert wurde, so dauerte im alten Israel auch die gewöhnliche Trauerzeit eine Woche1. Am Tage nach der Beerdigung fand im Trauerhause ein Mahl statt, das, wie Josephus berichtet, vom Trauernden selbst gegeben wurde2. Im talmudischen Zeitalter wurde es dagegen Brauch, daß das Mahl von anderen in das Trauerhaus geschickt wurde. Den Reichen wurde es in kostbaren Gefäßen und den Armen in Weidenkörben überreicht; um jedoch die Armen nicht zu beschämen, wurden später die Weidenkörbe in gleicher Weise für Arm und Reich verwendet3. Es scheint, daß das Trauermahl im Trauerhause nicht nur am ersten, sondern an jedem Tage der Trauerwoche stattfand und daß Gäste, wie in das Hochzeitshaus während der Hochzeitswoche, auch zu dem Trauernden täglich kamen, um ihn zu trösten und die Trostbenediktionen bei dem Tischgebete zu sprechen4. Die Trostesbenediktionen im Trauerhause entsprachen wohl den Benediktionen für das Brautpaar im Hochzeitshause. Noch in der Gegenwart veranstalten die Juden in Indien an jedem Tage der Trauerwoche ein Mahl zu Ehren des Toten5. In Jemen findet ein Mahl nur am letzten Tage der Trauerwoche statt, in Safed dagegen am Sabbat der Trauerwoche. In Jemen wird das Mahl mit den Trostesbenediktionen im Tischgebete, in Safed mit einem Lehrvortrag und dem Kaddischgebet abgeschlossen6. Wie im alten Israel, so dauerte auch bei den Babyloniern und, wahrscheinlich bei den heidnischen Arabern die Trauerzeit sieben Tage7. Bei den Mohammedanern wird die Trauerwoche mit einem religiösen Mahl, Walimah, abgeschlossen. Nur am Sterbetage seines Verwandten darf der trauernde Muslim kein Mahl veranstalten. Das islamische Gesetz empfiehlt es vielmehr, ganz wie der Talmud8, den Nachbarn und Freunden des Verstorbenen, am ersten Tage der Trauerwoche die Speisen für den Trauernden zu 1 I Sam 3lls. I Chr 1012. Judith 1624. Sirach 221a. 2 Jos. b. j. II 1, 1. 3 Mk. 27a. 4 Krauß II 69 f. 5 Sappir II 100. 6 Sappir I 75a. Eisenstein, Ozar massaot 250a. 7 Hehn, Siebenzahl und Sabbat 42. Wellhausen, Reste altarabischen Heidentums 2, Berlin 1927, 181. 8 Meg. 20b.

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