Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Briefwechsel zwischen David Kaufmann und Paul Georg von Möllendorf
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 401 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefwechsel zwischen David Kaufmann und Paul Georg von Möllendorff 401 auch er hat nie etwas von dem Manuscript gehört. Aber Verschiedene er״ boten sich Erkundigungen über vorhandene Handschriften] einzuziehen und nach Calkutta, Bombay und Bagdad zu schreiben. Es wäre herrlich, wenn sich eine gute Handschrift in einem dieser Plätze fände. Ihre äußerst sympathische u[nd] stilistisch vollkommene Arbeit über die Erziehung jüdischer Mädchen52 hat mir so gefallen, daß ich nicht umhin konnte, sie ins Englische zu übersetzen. Sie cirkulirt jetzt bei den hiesigen Juden in Manuscript53. Sollte sie nicht in England oder Amerika bereits englisch gedruckt erschienen sein? Nr. 10. Kaufmann an v. Möllendorff. [Budapest, den 12. April 189454.] Verehrtester Herr! Mit herzlicher Freude über das bevorstehende Erscheinen Ihrer Classiker der Weltlitteratur beehre ich mich, die nach meiner Meinung zu streichenden und die hinzuzufügenden hier anzumerken. Es handelt sich ja wohl auch Ihnen um die Hervorhebung der, — nehmt Alles nur in Allem — größten Namen, und da dürfen denn die bezeichneten kaum fehlen. Ich würde aus diesem Jahrhundert auch Leopold Zunz aufnehmen55. Mit ungewöhnlicher Freude hat mich der Gedanke erfüllt, meine kleine Schrift von Ihrer Hand übersetzt zu sehen. Wenn eine Möglichkeit vor״ handen wäre, die Übersetzung drucken zu lassen, denn bisher habe ich von einer solchen Nichts vernommen, so würde dieser Umstand auch dem Original sehr zu Statten kommen. Vielleicht interessirt sich eine ameri״ kanische oder englische Zeitschrift dafür. Morgen reisen wir über die jüdischen Feiertage56 nach meiner Heimath und zuvor zur Confirmation meines Neffen David Oppenheim nach Brünn. Am 2. Mai muß ich hier wieder meine Vorlesungen aufnehmen. Die Vorstellung, daß mir einmal durch Ihre besondere Güte ein merk״ würdiges Manuscript aus Asien zukommen könnte, fängt nach Ihren letzten freundlichen Bemühungen bereits an aus dem Reiche der Phantasie in das der Wirklichkeit überzugehen. Ich muß mich Ihnen nemlich auch als Sammler vorstellen und schwelge bei dem Gedanken, Ihnen einmal in Europa, wenn Sie dem Besuche von Pest nur die nöthige Zeit widmen werden, meine nicht mehr ganz belanglosen handschriftlichen Erwerbungen vorführen zu dürfen. Ich habe dieser meiner Leidenschaft schon erkleck״ liehe Summen gewidmet und lasse immer noch in Italien, Palästina und jetzt auch in Tunis für mich suchen. Die Erwartung, für die Monatsschrift bald wieder einmal einen kleineren oder größeren Artikel von Ihrer Hand zu erhalten, halte ich immer noch aufrecht. Hoffentlich befriedigt Sie Inhalt und Haltung dieser jetzt einzigen deutschen jüd.״wissen schaftlichen Zeitschrift. Mit verehrungsvollem Gruße mich Ihnen herzlich empfehlend, in steter Ergebenheit D. Kaufmann. Bpest 12. April 1894. Monatsschrift, 76. Jahrgang 26