Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Briefwechsel zwischen David Kaufmann und Paul Georg von Möllendorf
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefwechsel zwischen David Kaufmann und Paul Georg von Möllendorff 395 andere Sachen, unter Anderen die Liebe Zion's von Abr[aham] Mapu. Ich hatte schon mehr als die Hälfte dieses Romans übersetzt, als Herr Herrn. Rosenthal aus Newyork17 mich hier besuchte. Er erzählte mir zu meinem Bedauern, daß Mandelkern dasselbe Buch unter dem Namen Thamar als eigenes Werk veröffentlicht habe, rieth mir aber meine Übersetzung fertig zu machen, da sie besser sei als Mandelkerns, der sich viel Freiheiten mit dem Original erlaubt habe18. Seitdem habe ich das Buch erhalten und finde Herrn RosenthaPs Urtheil, der ein Dichter ist, gerechtfertigt. Mit dieser Post sende ich Ihnen eine Nummer der Leipziger Illustrirten Zeitung, die einiges bibliographische über mich enthält19. Als unabhängiger Mann, der wie der Amerikaner sagt, auf einer independent Platform stand, wurde ich durch japanische und englische Intrigen gestürzt; der Deutsche Gesandte in Peking, der von Paasch angegriffene Herr von Brandt, sah freudig zu; der Russe, mit dem ich sehr gut stand, wollte sich nicht einmischenr der Chinese wußte nicht was er thun sollte, meine koreanischen Freunde hatte man in der Revolution ermordet20 — und so mußte ich weichen, noch dazu mit einer großen Schuldenlast, da Keiner da war mir Decharge zu ertheilen und ich auch meinen Feinden — und Sie glauben es nicht wie feindlich man hier sein kann — keine Handhabe bieten mochte. Doch hat mir meine politische Laufbahn wenig geschadet, außer natürlich in finanzieller Hinsicht, auf die ich persönlich nur geringen Werth lege, denn ich habe eine geachtete Stellung bekommen, bin Vicedirektor des hiesigen statistischen Amtes und, nun schon das dritte Jahr, Präsident des hiesigen Deutschen Klubs, der die Interessen der großen Deutschen Kolonie vertritt. Meine Frau und drei Kinder, Mädchen von 12, 9 und 6 Jahren sind' hier und gesund und haben gute Gelegenheiten sich in Musik und den Hauptsprachen auszubilden, alle drei sind hübsch und intelligent, die Älteste lernt gerade ein Gedicht von Jehuda ha«levi nach Heller auswendig. Alle drei sprechen fertig Deutsch und Englisch, die 2 Ältesten leidlich Fran« zösisch. Im nächsten Frühjahr wollen wir den sehnlichst erwarteten Urlaub antreten, ich bin dann 25 Jahre in China und war nur 9 Wochen in Deutsch« land, als ich mich verheirathete. Ich werde mir dann erlauben Sie aufzu« suchen und mit Ihnen meine Arbeiten besprechen. Ich freue mich jetzt schon darauf Sie persönlich kennen zu lernen. Über die Juden in China ist schon viel geschrieben, es lohnt sich kaum das Bekannte nochmals zusammenzufassen; aber ich will versuchen etwas in den chinesischen Annalen zu finden, wodurch neue Gesichtspunkte ge« wonnen werden. Ihre Monatsschrift erhalte ich natürlich. Doch genug für heute, ich hatte extra einen großen Bogen genommen, um auszukommen und habe ihn doch überschritten. Mit herzlichem Gruß Ihr ganz ergebenster v. Möllendorff. [Auf dem Briefumschlag von v. Möllendorffs Hand:] Herrn Prof. Dr. D. Kaufmann. 20 Andräszystr. Budapest.