Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Briefwechsel zwischen David Kaufmann und Paul Georg von Möllendorf
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 394 (sequence 5)
- Language
- German
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394 Eugen Mittwoch Ihnen mit wiederholtem Danke und verehrungsvoller Gesinnung ganz ergebenst D. Kaufmann Budapest (20 Andrässystr.) 15/1. 93. [von v. Möllendorffs Hand:] beantw. 10/3. 93. v. M. ' Nr. 2. v. Möllendorff an Kaufmann. Shanghai, den 10ten März 1893p Verehrter Herr Professor! Haben Sie herzlichsten Dank für Ihren Brief, der mir ungemein wohl gethan hat. Für hiesige Leser bestimmt hat mein Aufsatz9 hier seinen Zweck erfüllt; daß er bei Ihnen Anklang־ finden würde hatte ich gehofft und so ist mir Ihre Anerkennung eine große Genugthuung. Ich bin hier so bekannt, daß v. M. als Unterschrift genügt. Wenn Sie dem Aufsatz die Ehre eines Abdruckes zu Theil werden lassen, so setzen Sie getrost den vollen Namen darunter10. Für Heller’s köstliches Buch11 danke ich Ihnen noch ganz besonders. Ihre Vorrede ist ein Meisterstück der deutschen Sprache und die Über« Setzungen, deren Auswahl ja von Ihnen stammt, sind vorzüglich. Die Namen der Dichter waren mir bereits alle geläufig und von den Texten besitze ich viele. Es war mir sehr erfreulich, daß Ihre Auswahl sich mit den von mir in einer Liste der großen hebräischen Dichter auf geführten Namen zum größten Theil deckt. Ich habe nämlich Ende vorigen Jahres eine Zu״ sammenstellung der Klassiker der Weltliteratur nach Hause geschickt. Ich hatte das Werkchen hauptsächlich aus Ärger über die elende Lubbocksche Liste und die wennmöglich noch schlechtere Pfeilstück ersehe geschrieben und in der Einleitung hervorgehoben, daß die Weltliteratur trotz Göthe bisher nicht aus den engen Grenzen nationaler Unwissenheit hinausgetreten ist und gezeigt, daß besonders drei Literaturen, die hebräische, spät, latei״ nische und chinesische, arg vernachlässigt, resp. übersehen worden sind12. K. F. Koehler’s Antiquarium in Berlin13 hat mein Manuscript; ob es einen Verleger findet, weiß ich noch nicht. Seit meinem Übertritt in den chinesischen Zolldienst14 ist aus dem Politiker ein ruhiger Stubengelehrter geworden. In erster Linie stehen meine ostasiatischen Studien. In diesen suche ich auf Grund chinesischer Wurzel״ forschung und altaischer Sprachvergleichung zu einem Resultat zu gelangen, welches in einem Werke über die Aussprache des Altchinesischen und schließlich in einem vergleichenden Wurzelwörterbuche des Chinesischen, Tungusisch-Mandschuischen, Türkischen, Mongolischen und Koreanisch״ japanischen gipfeln soll15. Da ich seit meiner Ankunft in China (1869) an dieser Arbeit sitze, habe ich ein kolossales Material gesammelt, welches ich in Deutschland bei meinem Urlaub zu verarbeiten gedenke. Abends arbeite ich stets hebräisches. Das Geschichtswerk Abr. Ibn Daüd’s bringe ich im nächsten Jahre fertig übersetzt mit16. Ebenso einige