Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Briefwechsel zwischen David Kaufmann und Paul Georg von Möllendorf
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 393 (sequence 4)
- Language
- German
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Briefwechsel zwischen David Kaufmann und Paul Georg von Möllendorff 393 mann veranlagte, dem Ruf an die neugegründete Israelitisch״ Theologische Lehranstalt in Wien nicht Folge zu leisten. Die Briefe Kaufmanns liegen im Original vor, während die von Möllendorffs, mit Ausnahme des bereits erwähnten Briefes Nr. 2, nur in Entwürfen erhalten sind. Der Brief Nr. 17 ist nicht an Kaufmann, sondern an den Theologen Carl Siegfried gerichtet und wird hier zum Schluß als Ergänzung zu dem Briefe Nr. 4 abgedruckt. Die Erläuterungen zu den Briefen folgen in den Anmer״ kungen. Nr. 1. Kaufmann an v. Möllendorf f. [Budapest, den 15. Januar 1893.]1 Verehrtester Herr! Unter dem frischen Eindrücke Ihrer ebenso wahrheitsliebenden als weltmännisch gehaltenen und darum doppelt wohlthuenden Erklärung gegen den häßlichen Dreibund2 eile ich, Ihnen voll freudiger Bewegung die Hand zu drücken. Einem ehrlichen Manne für ein ehrliches Wort zu danken, wäre selbst in unserer traurigen Zeit mir als Abgeschmacktheit zuwider, aber die Freude, die mich bei der Lectüre Ihrer auch an sich durch das Spiegelbild dieser Dinge aus Ihrem Geiste mir sehr werthvollen Darlegungen erfüllen mußte, werden Sie doch begreifen und mich gern dankbar constatiren lassen. Am Liebsten hätte ich Ihren vollen Namen unter die Artikel gesetzt3, die mit Berichtigung der übrigens wenigen Druckfehler von den jüdischen Blättern freudig nachgedruckt werden dürften 4. Aber indiscret mochte ich nicht sein. Dafür gewähren Sie mir eine andere Bitte. Senden Sie mir eine biographische Skizze, am Besten ein paar ältere Zeitungen, die ich Ihnen mit Dank zurücksenden will, und erlauben Sie, daß ich davon freien Gebrauch mache. Ich bleibe noch immer dabei, daß Sie eine deutsche Über״ Setzung des Abraham Ibn Daud geben 5; Sie müssen mir noch in die jüdische Litteratur hinein, und wenn es auch nur als Übersetzer wäre. Daß ich Ihnen in jeder Weise freudig zur Verfügung stehen will, habe ich Ihnen wiederholt gesagt. Es war mir schmerzlich, so lange Ihre Mittheilungen entbehren zu müssen. Möge nie wieder eine so lange Pause unseren Brief״ Wechsel unterbrechen! Ihre freundliche Gabe, die ich nur anstarren kann, werde ich, soweit ich es vermag, näher kennen zu lernen suchen. Darf ich Ihnen Vorschlägen, den Juden in China, einem seit den Jesuiten her räthselhaften Thema der Wissenschaft, Ihre Aufmerksamkeit zu schenken? Es soll mir eine Ehre sein, einem Artikel von Ihnen darüber die Monatschrift, die ich wieder ins Leben gerufen habe6, zur Verfügung stellen zu dürfen. Zu Derenbourgs Ehren ist ein Schriftchen in Paris über diesen Gegenstand erschienen 7, aber Sie könnten hier erst wahrhaft Licht schaffen. Vielleicht fällt meine Anregung auf fruchtbaren Boden und wird ein Band engerer Verbindung zwischen uns, die mich innig erfreuen würde.