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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 4 · p. Seite 380

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 4
Article
R. Michel Chasid und die Sabbatianer
Date
1932-01-01
Page
Seite 380 (sequence 11)
Language
German
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380 Mas Freudenthal 1725 im Jahre 1799 nochmals erneuert1, und sein Name findet sich zusammen mit dem der anderen Dajanim2 auch unter dem hier nachfolgenden Schreiben, welches die Prager ,,Israelitischen Re־־ ligionsvorsteher und Oberjuristen" am 18. Juli 1800 an die Herren ,,Eltesten und Deputirten" der Dresdener Judenschaft richteten und worin sie um Unterstützung gegen einen Frankisten namens Salomon Zerkowitz baten. Dieser gehörte mit zu den Führern der Prager Frankistengemeinde und hatte im Sommer 1799 zusammen mit seinem Sohne L o e b die Heimat verlassen, um sich an den Frankistenhof nach Offenbach zu begeben. Einst ein wohlhabender Mann nahm er den Rest seines Vermögens mit und ließ seine Familie in Prag mit einer großen Schuldenlast zurück. In Offenbach wurde er mit offenem Arm und Geldbeutel auf־־ genommen und sein Besitz an österreichischen Staatspapieren sofort zugunsten der die ,,heilige" Familie bildenden Kinder Franks bei Rothschild in Frankfurt versilbert, eine Aktion, die ihn trotz aller Begeisterung doch zum Weinen brachte, wie Moses Porges aus Prag, der mit dabei war, in seinen jetzt aufs neue von Gelber herausgegebenen Memoiren über den Offenbacher Frankistenhof berichtet3. Aber Zerkowitz war nach dessen Urteil ,,ein guter ehrlicher Mann" und stand so völlig unter dem Einfluß der Frankschen Schar, daß er sich ganz und gar ihren vom ,,heiligen Geist" eingegebenen Forderungen4 hingab. So übernahm er auch vor allen anderen die Propaganda für die Sekte, die damals die jüdischen Gemeinden von ihrem Palast aus mit ,,rotgeschriebenen" Briefen voll kabbalistischer Weissagungen überschwemmte, in denen zum Beitritt aufgefordert und dafür großer Gotteslohn verheißen, eine Weigerung aber mit allen möglichen Drohungen belegt wurde5. Zerkowitz machte sich auf den Weg nach dem Osten, um persönlich Anhänger und Geld zu gewinnen, und er verstand in der Tat beides mit großem Erfolg zu erlangen. 1 Fleckeles a. a. O., Bl. 10 a. 2 Ueber Michael Bacharach s. Jewish Encyclop. II, 420; über Samuel Landau das. VII, 609* 3 Schriften des jiddischen Wissenschaftl. Instituts, Abt. Historische Schriften Bd. I, Warschau 1929, S. 252 ff. 4 S. das. S. 294 die vom ,,heiligen Geist6‘ ihm für einen Sabbat anbefohlene Abnahme seines Bartes und die Geldablösung dafür! 5 Ueber diese Briefe s. das. S. 289.

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