Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 4 · p. Seite 366

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 4
Article
Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter
Date
1932-01-01
Page
Seite 366 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829983-2829988-2837632--51377-2837756
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

366 I. Heinemann Noch weniger kommt es ihm auf die Herausarbeitung der jüdischen Eigenart an; was er über das Verhältnis des Christliehen und des jüdischen Denkens zu sagen weiß (S. 200), beschränkt sich auf das Nächstliegende. Nur an der Darstellung der einzelnen Systeme im Rahmen der arabischen Kultur liegt ihm; diese aber darf als durchaus ״sachkundig, verständlich und gelungen bezeichnet werden. Man hätte vielleicht manches in der Auswahl anders gewünscht; Abraham Maimuni hätte wenigstens genannt werden sollen; bei Hillel ben Samuel fehlt die Verteidigung der biblischen Wunder (vgl. Suler, Enc. Jud. VIII, 59); die pädagogischen Motive, auf denen die Anordnung des More beruht, scheinen S. 241 und 363 nicht voll erkannt zu sein. Aber im ganzen erfüllt das Buch zweifellos seinen Zweck; die Besorgnis des Verfassers, daß der Fachmann in ihm zu wenig, der Laie zu viel Wissenschaft finden werde, hat sich erfreulicherweise nicht erfüllt, wie das Bedürfnis einer neuen Auflage zeigte; es kann insbesondere dem etwas Fernerstehenden, also dem Freunde des jüdischen Schrifttums und dem Kenner der ailgemeinen Geistesgeschichte, als zuverlässiger Ratgeber durchaus empfohlen werden. Weit schwieriger ist über Neumarks Buch zu urteilen. Schon in seiner Besprechung des ersten Bandes MGWJ 1911, 102 ff. hatte Julius Lewkowitz richtig erkannt, wie sehr Neumark durch die ungeschichtliche Denkweise sowohl der Jeschi wa wie des Rationalismus bestimmt ist. Er verwechselt Religion und Religionsphilosophie, wenn er Jeremia zum Vorgänger des Maimonides macht: es geht nicht an, wie er es versucht, ,,die Propheten zu Rationalisten und Aufklärern zu degradieren“; sie ״kämpfen nicht gegen das Irrationale, sondern gegen sittliche Irrtümer“. Ähnliche Bedenken, wie sie J. Lewkowitz gegen die Behandlung der Bibel erhebt, gelten auch für die Behandlung des talmudischen Denkens in der Weiterführung des Werkes. Nicht nur, daß Neumark kein Organ hat für die methodischen Unterschiede der Begriffsbildung und Beweisführung im bibfischen, talmudischen und hellenisierten Judentum, er deutet sogar ganz unbefangen Begriffe wie ens realissimum? vou<; und aoipta (III 42. 58. 25. 27) in den Talmud hinein; und aus den Buchstaben, durch deren magische Zusammenfügung das Stifts-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.