Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 365 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829983-2829988-2837632--51376-2837755- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter 365 Israeli!) für den Neuplatonismus kennzeichnenden Merkmale auf se'n System nicht zutreffen (was in dieser Form niemand be״ hauptet hatte)7 vor allem aber, da er nicht die Emanation der Materie aus Gott lehrt, sondern die Koexistenz der potentiellen Materie mit dem Einen. In eingehender, mit polemischen Berner״ kungen durchsetzter Analyse des Fons vitae — besonders wichtig 318 ff. — wird die Lehre vom Dualismus Gabirols dargestellt. Seltsam wirken in Neumarks Schaffen Antriebe aus den drei jüdischen Welten zusammen, deren verschiedene Auffassung vom jüdischen Denken wir kennenlernten. Der Jeschiwa dankt er sein jüdisches Wissen und, wie er selbst fühlt, einen guten Teil seiner exegetischen Methode1; seine Lebensanschauung bestimmt der strenge Rationalismus Hermann Cohens; aber weit tiefer als dieser wurzelt er, der hebräische Schriftsteller, in der Kultur und gleichsam in der Substanz seines Volkes. Wie seinem unmittelbaren Vorläufer, dem gleichfalls aus hebräischem Sprach״ und Kulturgeist schreibenden Simon Bernfeld2, ver״ blassen auch ihm innerhalb des jüdischen Geistesstromes die Unterschiede der Zeiten und der Methoden; ein und dasselbe Ringen zeigt sich von der Bibel bis auf Cohen, in der Aggada wie in der Philosophie: nur daß Neumark, der ״direkte Abkömm״ ling der großen jüdischen Philosophenlinie Maimuni, Crescas, KrochmaF, wie sein Herausgeber ihn nennt, dieses Ringen viel rationalistischer als Kampf um die Befreiung vom Mythos ver״ steht, diesen Kampf aber aus dem eigenen schmerzlichen Ringen um Klarheit und Wahrheit deutet — ein Künstler, der aus eigenem Lebensdrang vergangenes Leben neu zu erwecken sucht. Von solch künstlerischem Reiz, aber auch von solch syste״ matischer Vertiefung der geschichtlichen Aufgabe ist bei Husik nichts zu spüren. Er schildert nicht die vorwärtstreibende Kraft der Probleme und den geschichtlichen Zusammenhang der Lösungen, wenn er auch gelegentlich, etwa bei den Gottes״ beweisen eines Ibn Daud oder Maimuni (S. 204; 249), das Neue heraushebt. Er versucht kaum, die einzelnen Denker aus dem Mittelpunkt der Persönlichkeit heraus zu verstehen, wenn er auch der Schilderung der Systeme kurze Charakteristiken voranschickt. 1 Näheres in der genannten Besprechung. 2 1 ,דעת אלהים. Aufl. 1899.