Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 10)
- Language
- German
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364 I. Heinemann griechischen Philosophie wie zur mittelalterlichen Attributenlehre in unmittelbare Beziehung setzt. ,;Es gibt in der gesamten griechisch-jüdischen Literatur, einschließlich Philo, kein irgendwie wesentlich bedeutendes Spekulationsmotiv, das sich in der talmudischen Literatur nicht wiederfindet“ (S. 4). Der metaphysischen Betrachtung der Talmudisten erscheint Gott als ״Formprinzip“ unter aristotelischem Einfluß, das sich (unter pythagoreischer Einwirkung) in Zahl* und Maßprinzipien auswirkt; in der Hauptsache ist aber der talmudische Gottesbegriff aus dem ethischen Postulat entwickelt, dem die Gerechtigkeit bei Platon entspricht. Ansätze zu den Wesensattributen des Mittelalters und die Unterscheidung zwischen Wesens- und Tätigkeitsattributen begegnen bereits im Talmud; seine Attributenlehre findet ihren Niederschlag im Gebetbuch; denn ״der Hauptzweck des Gebetes ist, sich in der richtigen Vorstellung von Gott zu befestigen“ (79). Die Behandlung der jüdischen Philosophen eröffnet ein Blick auf Israeli, der in eingehender Polemik mit Jacob Guttmann als Aristoteliker, nicht als Neuplatoniker, aufgefaßt wird1. Es folgt Saadja, den man nach N. ״zum Agnostiker hat machen wollen“; in Wahrheit hält er an den drei Attributen Leben, Macht und Weisheit fest; in letzterem ist nach N. auch das des Willens enthalten; Saadjas ausdrückliche Feststellung, daß wir ״strenggenommen nur die Existenz (*Jjl) von Gott aussagen dürfen"', soll bedeuten: die Existenz als Schöpfer, welche die drei genannten Wesensattribute in sich schließt (208). Als noch ״verstockteren Agnostiker“ hat man angeblich Bachja dargestellt; in Wahrheit steht dieser nach N. wesentlich auf Saadjas Standpunkt; nur die Scheidung der primär-spekulativen Attribute (Sein, Einheit, Ewigkeit) von den sekundären (Leben, Macht, Weisheit) hat er schärfer vollzogen und sich der Lehre, daß Gott überhaupt nicht Substanz sei, noch stärker angenähert als seine Vorgänger. Im Gegensatz zu dieser Gruppe sieht insbesondere Gabirol in Gott weniger das Prinzip des Seins als das des Werdens. Er ist kein Neuplatoniker, da die (nach N.: S. 251 f.; vgl. 179 über 1 Vgl. jetzt J. Heller, EJ VIII 654.