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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 4 · p. Seite 358

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 4
Article
Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter
Date
1932-01-01
Page
Seite 358 (sequence 4)
Language
German
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358 I. Heinemann ihre Aufgabe durchaus nicht erschöpft. Zumal die Untersuchung der griechischen Quellen fragte viel zu einseitig nach Wirkungen des Aristoteles und Plotin (meist ohne Berücksichtigung der neueren Forschungen).und vernachlässigte fast ganz den Einfluß der Stoa und der spätgriechischen Mystik nebst den ihr ver״ wandten Richtungen in der Philosophie. Wie schwach endlich die Problemgeschichte angebaut ist, kann hier nur angedeutet werden; haben wir doch noch keine Geschichte der wissen״ schaftlichen Ethik und der Auffassung des Religionsgesetzes im Judentum! Aber neben der Weiterführung der bereits erfolgreich be״ gonnenen Arbeiten erweisen sich neue Aufgabenstellungen als notwendig — infolge der Einschränkung, die der Evolutionismus, der Rationalismus und die assimilatorischen Kräfte im Judentum erfuhren. Den Wandel der Anforderungen an eine Geschichte der Philosophie zeigt der Vergleich der einst als vorbildlich an״ erkannten Darstellung Zellers von der Philosophie der Griechen mit den neueren Arbeiten von Gomperz oder gar Karl Joel. Man will die einzelnen Philosophen jetzt nicht nur als Träger bestimmter Meinungen verstehen, wesentlich aus den treibenden Kräften der Problemgeschichte heraus, sondern sie aus ihrer eigenen ״Mitte" begreifen und aus der intuitiv erfaßten Person״ lichkeit die einzelnen Lehren deuten, diese Persönlichkeit aber sowohl aus ihrer ״inneren Form" wie aus ihrem geistigen Lebensraum zu verstehen suchen. Solche Förderungen müssen für die Geschichte des jüdischen Denkens besonders fruchtbar werden, da die Führer der philosophischen Bewegung hier zu erheblichem Teil zugleich Schrifterklärer, Gesetzeslehrer oder auch religiöse Dichter gewesen sind und als solche zum Teil andere Züge aufzuweisen scheinen als in ihrer Philosophie. Es entspricht diesem methodischen Gesichtspunkt, daß wir über mehrere Versuche zu berichten haben werden, die geistige Ein״ heit von Männern wie Gabirol oder Maimuni darzustellen. Soll eine solche psychologische Betrachtung nicht zum Psychologismus entarten, so muß sie den überpersönlichen, objektiven Sinn der weltanschaulichen Probleme im Auge be״ halten und die geschichtlichen Lösungen aus der Einsicht in die

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