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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 4 · p. Seite 357

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 4
Article
Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter
Date
1932-01-01
Page
Seite 357 (sequence 3)
Language
German
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Die Erforschung des jüdischen Denkens im Mittelalter 357 unbefangene Forschung führen mußte, zugleich dem Kultur willen der jungen Generation zustatten kam. Das Bild der Ahnen, die sich mit den Philosophen ihrer Zeit wissenschaftlich auseinandergesetzt und dadurch sowohl dem Judentum wie der Weltkultur wertvolle Dienste erwiesen hatten, rechtfertigte das synthetische Bildungsideal der jung-jüdischen Theologen vor ihrem eigenen geschichtlichen Gewissen wie vor der nichtjüdischen Umwelt, — rechtfertigte den Verzicht auf den ״passiven Fanatismus" eines weltabgeschlossenen Judentums, dem namentlich Manuel Joel einen großen Teil der Schuld an der geschichtlichen Verkennung des Judentums gab. Und auch im Ringen nach ״Aufklärung" und rationaler Umdeutung des Judentums fühlte man sich meist1 legitimiert und gefördert durch das Bestreben der Ahnen (wie es die erste große problemgeschichtliche Untersuchung aufwies), ״über das wie trotzig und unverrückbar entgegenstarrende Gestein des Schriftworts den Weg zu den unerbittlichen Forderungen des wahren Denkens zu nehmen"2. Das Werk der Begründer der jüdischen Wissenschaft führt unsere Generation nach mancher Richtung geradlinig weiter. Das gilt vor allem von der Editionsarbeit. Über mehrere Erstausgaben und über fünf verbesserte Ausgaben werden wir im folgenden zu berichten haben. Darin zeigt sich das Bedürfnis nach Ergänzung und Verbesserung der Texte deutlich. Allein noch heute haben wir von keinem bedeutenden Werk in hebräischer und arabischer Sprache eine vollständige Ausgabe, die allen Anforderungen ohne Einschränkung genügte, mit kritischer Praefatio, vollständigem Apparat, praktischer Paragrapheneinteilung und vor allem einem Index, wie wir ihn zum griechischen Philon und zum lateinischen Gabirol besitzen. Die Unentbehrlichkeit solcher Register für die Sprach- und Begriffsgeschichte liegt auf der Hand. Auch für die Interpretation ist noch manches zu leisten. So hat man mit Recht der Logoslehre Gabirols, der Theologie, Prophetologie und Teleologie Maimunis neue Untersuchungen gewidmet. Aber selbst die so eifrig gepflegte Quellenkritik hat 1 Ausnahmen, wie Luzzattos und S. R. Hirschs Kritik an Maimuni, haben auf die Forschung nur schwach gewirkt. 2 David Kaufmann. Geschichte der Attributenlehre VII.

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