Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die poetischen Genizafragmente in der Jüdischen Gemeindebibliothek Berlin
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 340 (sequence 2)
- Language
- German
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340 J. Schirmann delphia ־und Washington). Daneben gibt es in verschiedenen europäischen Ländern einige Genizasammlungen. In Deutschland besitzt die Stadtbibliothek zu Frankfurt a. M. die umfangreichste ihrer Art.‘ Leider ist bisher nichts Näheres über ihre Zusammensetzung bekannt geworden1. Alter und Herkunft der Genizafragmente bringen es mit sich, daß selbst die kleineren Sammlungen viel interessantes und völlig unbekanntes Material bieten. Folgende Darstellung wird, wie ich glaube, die Richtigkeit dieser Behauptung beweisen. Während einer-systematischen Untersuchung von hebräischen Mss. poetischen Inhaltes in Berlin hatte ich Gelegenheit, die Hss. der Jüdischen Gemeindebibliothek näher kennen zu lernen. Unter ca. 160 hebräischen Mss., die sie laut einer kurzen Liste im Frühjahr 1931 besaß, fand ich mehrere beachtenswerte Gedichtsamm- Sammlungen aus dem Orient, Nordafrika und Italien sowie einen Siddur von Orleans aus dem 14. Jahrhundert. Mein Hauptinteresse erregten begreiflicherweise zwei Pakete mit Genizafragmenten, die in der Liste unter den Nummern 27 und 152 verzeichnet sind. Herr Bibliothekar Dr. Moritz Stern hat mir die beiden Nummern in liebenswürdigster Weise zur Bearbeitung überlassen, wofür ich ihm an dieser Stelle meinen aufrichtigsten Dank abstatten möchte. Herrn Dr. Z u 1 a y bin ich für wertvolle Hilfe bei der Entzifferung einiger verwischten Manuskriptstellen sehr verbunden. Das Manuskript Nr. 27 ist vor mehreren Jahren — ein genaueres Datum war nicht zu ermitteln — bei J. Kauffmann (Frankfurt a. M.) gekauft worden. Im ganzen besteht es aus 19 Fragmenten verschiedenen Umfanges. Läßt man Inhalt, Papier und Schxiftcharakter als .Kriterien gelten, so erweisen sich die einzelnen Stücke nach Herkunft und Alter als gänzlich verschieden. 1 Schon ein halbes Jahr nach Abfassung der vorliegenden Arbeit war es mir möglich, die Frankfurter Genizafragmente an Ort und Stelle durch- Zusehen. Dabei stellte es sich heraus, daß die Sammlung wesentlich größer ist, als ursprünglich angenommen werden konnte. Sie zählt nämlich me hrere Tausende von Fragmenten, darunter mindestens 800 Nummern poetischen Inhaltes; allerdings haben die meisten Texte nur geringen Umfang und sind in schlechtem Erhaltungszustände. Es ist mir eine angenehme Pflicht, Herrn Prof. Dr. A. Freimann für seine freundliche Hilfe bei der Durchsicht der Fragmente zu danken.