Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Gebot und Mysterienhandlung
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 9)
- Language
- German
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Gebot und Mysterienhandlung 327 lung dieses Wortes. — Kennzeichnend aber ist auf der einen Seite als oberstes Prinzip des Glaubens das ״Gebot", auf der anderen Seite das ״Mysterium", oder mit einem späteren Fach ־ wort, das Sakrament. Aus der ursprünglichen Antithese von Gebot und Mysterium ergeben sich wichtige Aufschlüsse auch über andere Begriffe des Religionslebens, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Wiederholte Betonung verdient die Wahr״ nehmung, daß die religionsmäßigen Antithesen zwischen Juden״ tum und Umwelt in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten am schärfsten und reinsten hervortreten. Und das entsprich! auch dem Gesetz geschichtlicher Entwicklung. Judentum und Hellenentum — das Elternpaar des Christentums — sind auf verschiedenen und von einander ganz unabhängigen Grund״ lagen aufgebaut. Das in ihnen Eigenartige und Gegensätzliche liegt uns noch in ungetrübter Ursprünglichkeit vor. Anders steht es mit dem Christentum, das sein Glaubensgut beiden Religions weiten zu verdanken hat: es hat Gebote und Mysterien. Neben der heiligen Schrift des Judentums hat es ein großes Stück Erbgut von der griechisch-römischen Welt übernommen. Das Gebot unterschiedsloser Menschenliebe und das Gebotssystem des Dekalogs gehören ebensogut zum Religionsgut des Christentums wie die Sakramente. — Und es kommt noch hinzu, daß das Christentum dem Judentum gegenüber weitgehende apologetische Interessen vertritt. Für manche seiner Forscher fließt Religionsvergleichung und Apologetik in eins zusammen. Dieser vorgefaßten Grundanschauung ist die Entstehung von Systemen zu verdankenr die mit polemisch zugespitzten imaginären Antithesen operieren. Um so dankenswerter ist eine Darstellung des Judentums, wie sie uns in G. F. Moores ״Judaism in the first Centuries of the Christian Era" vorliegt. Moore war Professor für Religionsgeschichte an der Harvard-Universität und hat auf diesem Gebiete auch literarisch viel Wertvolles geleistet. Das uns in diesem Zusammenhang am meisten interessierende Werk ist seine in der ״International Theological Library" vor etwa zwölf Jahren erschienene ״History of Religions". Der zweite Band be~ handelt Judentum, Christentum und Mohammedanismus (Edin-