Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1932-01-01 · Heft 4 · p. Seite 325

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
76 (1932)
Issue
Heft 4
Article
Gebot und Mysterienhandlung
Date
1932-01-01
Page
Seite 325 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2829132-2829983-2829988-2837628--51330-2837715
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gebot und Mysterienhandlung 325 logisch-psychologischen Vorgängen, ähnliche bzw. analoge Wirkungen auslösen sollen hinsichtlich der Gottheit selbst, wie sie der Mensch in seiner engeren animalischen Umwelt naturmäßig erlebt. Wir wollen hier in aller Kürze auf die drei Haupttypen der theandrischen Mysterien hinweisen: die Wiedergeburt in Gott, die geschlechtliche oder ihr ähnliche Vereinigung mit Gott und die Gottverspeisung (Theophagie). Im Wiedergeburt?- mysterium steigt der Myste in ein Grab hinab, über ihn wird ein Stier oder Widder geschlachtet, dessen Blut durch eine Fülle feiner Röhren oder Holzritzen in das Grab geleitet wird und ihn überrieselt. Der Myste füllt nun mit Blut alle Sinnesorgane, läßt auch die Wangen damit überströmen, fängt es mit der Zunge auf und schlürft es gierig. Dies phrygische Wiedergeburtsmysterium ist eines von vielen. Die ägyptische Tropfentaufe ist ihr ähnlich. Wesentlich ist hierbei der Glaube, daß der Taufbrauch eine Wiedergeburt in Gott bewerkstelligt. Der emporsteigende Myste ist vergottet und wird von seiner Gemeinde als Gott verehrt. Die instrumental durchgeführte Vergottung bewirkt für den Mysten ipso facto das den Göttern zukommende himmlische Heil1. Ähnliche Vergottungswirkungen werden auch von den anderen zwei Mysterienformen, von der geschlechtsanalogischen Gottverbindung und von der Gottverspeisung erwartet. Für das erstere ist der Phalluskult zu vergleichen. Das letztere findet seinen Ausdruck in den alten Kommunionsopfern. Spuren eines Kommunionsmahls findet man auch in den berühmtesten der griechischen Mysterien, nämlich in denen von Eleusis. Schon dies mit wenigen und groben Linien gezeichnete Bild vom Gebot einerseits und vom alten Mysterienwesen andererseits zeigt den Weg, den der Religionshistoriker zu gehen hat, wenn er das Wesen des Judentums umweltlich beleuchten will. Die entscheidende Geschichtsepoche ist die frühhellenistisehe Zeit. In diese Zeit gehört auch der großzügige Versuch, Judentum und Hellenismus unter einen Nenner zu bringen, der aber mißglücken mußte, weil Gebot und Mysterium zwei inkommen- 1 Man vgl. Reitzenstein, Die hellenistischen Mystei'ienreligionen S. 45. Franz Cumont, Die Orientalischen Religionen im römischen Heidentum2 (in G. Gehrichs Übersetzung) S. 79. M. Guttmann, 85 בחינת קיום המצוות f.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.